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Drei Fragen an... Domorganist Prof. Dr. Winfried Bönig:Die neue Marienorgel im Kölner Dom

Datum:
11. Juni 2026
Von:
Newsdesk/vst
Seit 2021 ist Prof. Dr. Winfried Bönig Domorganist in der Hohen Domkirche zu Köln. Zudem war und ist er als Professor an verschiedenen Hochschulen tätig. Heute stellt er im Interview die neue Marienorgel im Kölner Dom vor, die am 14. Juni geweiht wird.

Die Marienorgel wurde komplett neu gebaut. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Die bisherige Marienorgel hat dem Kölner Dom über viele Jahrzehnte treue Dienste geleistet. Mit der Zeit hatte sie jedoch sowohl technisch als auch klanglich deutlich an Qualität eingebüßt und wurde zunehmend reparaturanfällig. Irgendwann standen wir vor der Frage, ob wir weiterhin regelmäßig in die Instandhaltung des alten Instruments investieren oder den Schritt zu einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Lösung wagen sollten.

Die Entscheidung fiel schließlich zugunsten eines vollständigen Neubaus. Das nun fertiggestellte Instrument wurde von der Johannes Klais Orgelbau GmbH realisiert, einer weltweit renommierten Orgelbauwerkstatt mit Sitz in Bonn. Für die äußere Gestaltung der Marienorgel zeichnete das Architekturbüro Mecanoo aus Delft verantwortlich.

Was macht die neue Marienorgel besonders? Wie unterscheidet sie sich von den anderen Orgeln im Dom?

Die neue Marienorgel ist ein äußerst farbenreiches und vielseitiges Instrument. Sie bietet deutlich mehr klangliche Möglichkeiten als ihre Vorgängerin und wird ihre Hauptaufgabe – die Begleitung der Gemeinde in den Werktagsgottesdiensten – in hervorragender Weise erfüllen.

Dabei spielt die Marienkapelle eine besondere Rolle: An keinem anderen Ort des Kölner Domes werden so viele Gottesdienste gefeiert. Die werktägliche Heilige Messe um 8 Uhr wird vom DOMRADIO.DE und kooperierenden Fernsehsendern im gesamten deutschsprachigen Raum übertragen. Bis zu 25.000 Menschen feiern diesen Gottesdienst täglich über Radio, Fernsehen oder Internet mit – und werden dabei künftig auch die neue Marienorgel erleben können.

Eine besondere technische Innovation eröffnet darüber hinaus neue Möglichkeiten: Das gesamte Orgelgehäuse kann mithilfe eines Scherenhubtisches angehoben werden. Dadurch strahlt die Orgel ihren Klang nicht nur in die Marienkapelle, sondern auch in den Binnenchor aus. Da dort inzwischen zahlreiche Gottesdienste und Konzerte stattfinden, können diese künftig aus unmittelbarer Nähe von der Orgel begleitet werden.

Im Vergleich zu den beiden großen Domorgeln handelt es sich bei der Marienorgel um ein kleineres, beinahe kammermusikalisches Instrument. Sie eignet sich besonders für die Begleitung von Chören und kleineren Ensembles. Eine weitere Besonderheit: Vom neuen Spieltisch aus können künftig alle drei Orgeln des Kölner Domes gemeinsam angesteuert und gespielt werden.

Welches Werk wird als erstes auf der Orgel erklingen? Wie haben Sie die Auswahl getroffen?

Ihren ersten offiziellen Einsatz hat die neue Marienorgel bei ihrer Weihe am 14. Juni. In diesem festlichen Gottesdienst soll das Instrument bereits seine ganze Bandbreite zeigen. Die Orgel wird die Gemeinde begleiten, gemeinsam mit dem Chor musizieren und schließlich auch solistisch zu hören sein.

Im Anschluss beginnt eine Festwoche mit Gottesdiensten, Konzerten und besonderen Einblicken in das neue Instrument. Bereits am Abend des Weihetages findet ein musikalisches Abendgebet mit dem Mädchenchor am Kölner Dom statt. Darüber hinaus folgen zwei Festkonzerte des Vokalensembles Kölner Dom im Binnenchor, bei denen die neue Marienorgel ebenfalls eine zentrale Rolle spielen wird.

Weitere Informationen zur Marienorgel sowie zum Programm der Festwoche sind online verfügbar.

Über Prof. Dr. Winfried Bönig

Neben seiner Tätigkeit als Domorganist in Kölner Dom war und ist Prof. Dr. Winfried Bönig als Professor an verschiedenen Hochschulen tätig. Er leitete bis 2025 als Professor für künstlerisches Orgelspiel und Improvisation den Studiengang „Katholische Kirchenmusik“ an der Hochschule für Musik und Tanz Köln; seit 2025 lehrt er Orgel und Liturgisches Orgelspiel an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf.

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