„Keine Feindschaft trotz Leidenschaft“:Ökumenische Fanandacht zum Fußball-Bundesligastart im Kölner Dom

Stadt- und Domdechant Monsignore Robert Kleine und der evangelische Stadtsuperintendent Dr. Bernhard Seiger leiteten den Gottesdienst. Für Seiger war es die letzte Fanandacht seit vielen Jahren in dieser Funktion: Er geht in den Ruhestand und verlässt Köln.

Predigt über Freundschaft
„Es geht in diesem Gottesdienst um Freundschaft, um Gemeinschaft, um Gott und seinen Segen“, begrüßte Kleine die Fußballfans. Passend dazu stellte er in seiner Predigt die Freundschaft in den Mittelpunkt. Jesus selbst sei kein Einzelkämpfer gewesen. Seine Jünger hätten Fehler gemacht, gestritten und ihn enttäuscht – und dennoch habe Jesus sie Freunde genannt.
Echte Freundschaft bedeute deshalb nicht, den anderen nur „an seinem guten Tag“ zu mögen. Diese Haltung übertrug Kleine auf den Fußball. Rivalität gehöre dazu, dürfe aber nicht in Feindschaft umschlagen. Als Beispiel nannte er die Fanfreundschaft zwischen Borussia Dortmund und dem 1. FC Köln. Christlicher Glaube bedeute nicht, dass alle gleich denken müssten: Der andere bleibe Bruder oder Schwester – auch wenn er anders denke, anders lebe oder ein anderes Trikot trage.
Gleichnis vom Schatz im Acker
Auch Bernhard Seiger verband Fußball und Glauben. Ausgangspunkt seiner Predigt war Jesu Gleichnis vom Schatz im Acker. Wer seinen Schatz gefunden habe, setze sich mit Leidenschaft dafür ein. Das lasse sich auch am Fußball beobachten: Fans erwarteten von Spielern nicht zwingend jeden Sieg, wohl aber Einsatz, Moral und Leidenschaft. Zugleich erinnerte Seiger daran, dass Fußball „nicht das ganze Leben“ sei. Der bleibende Schatz sei die Gemeinschaft mit Gott: Jeder Mensch sei Gottes Kind – unabhängig davon, wie er glaube, denke oder aussehe.

Kein Saisonstart ohne Andacht im Kölner Dom
Für viele Fans gehört die Andacht längst zum ersten Heimspieltag. „Im Stadion geht es nachher laut zu. Hier im Dom ist vorher ein Moment, in dem ich für mich still werden kann und merke: Der FC bedeutet Gemeinschaft, aber es gibt noch mehr“, sagt etwa Jonas Schmitz. Besonders sei für ihn, anschließend direkt in Richtung Stadion zu ziehen. Claudia Esser kommt nach eigenen Worten jedes Jahr: „Das gehört für mich einfach zum Saisonstart.“ Sie bitte hier nicht darum, dass der FC gewinne, wie es andere machen würden, sondern wünsche sich, „dass wir gesund durch die Saison kommen, fair miteinander umgehen und die Freude am Fußball behalten.“
In den Fürbitten wurde für Mannschaften, Trainer und Schiedsrichter ebenso gebetet wie für die Menschen auf den Tribünen. Die Stadien sollten Orte bleiben, an denen Menschen miteinander feiern, „ohne dass aus Leidenschaft Feindschaft wird“ – frei von Gewalt, Hass und Ausgrenzung, hieß es.
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