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Kardinal Woelki besucht Ukrainerinnen im wiederbelebten Pfarrzentrum St. Augustinus:Ukrainischer Nähtreff in Bonn-Bad Godesberg: Nähen für den Frieden

Kardinal Woelki besucht ukrainischen Nähtreff im wiederbelebten Pfarrzentrum St. Augustin in Bonn-Bad Godesberg
Datum:
21. Nov. 2023
Von:
Newsdesk/dko
Kardinal Woelki besucht Ukrainerinnen im wiederbelebten Pfarrzentrum St. Augustinus

Zerstörte Häuser, zerrissene Familien und zerplatzte Träume – als vor über eineinhalb Jahren der Krieg in der Ukraine ausbrach, verloren unzählige Menschen von heute auf morgen ihr bisheriges Leben. Ausgestattet mit dem Allernötigsten flohen unzählige Frauen mit ihren Kindern vor dem Krieg und fanden in Deutschland eine neue, sichere Bleibe. Doch die Ohnmacht gegenüber der Situation in der Heimat blieb.

Einen Weg aus der bedrückenden Machtlosigkeit fanden Betroffene im ukrainischen Näh­treff in Bonn-Bad Godesberg. Im wiederbelebten Pfarrzentrum von St. Augustinus nähen sie Strümpfe, Hosen und Kissen für ihre verletzten Väter, Söhne und Ehemänner an der Front. Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki besuchte die Initiative in Bonn und würdigte die unermüdliche Hingabe der ukrainischen Frauen.

Ein ukrainischer Treff mitten Bad Godesberg

"Ich freue mich sehr, dass Sie Solidarität für die Menschen in Ihrer Heimat, in der Ukraine üben", sagt der Kölner Erzbischof bei seinem Besuch. Empfangen wird er nicht nur von den ukrainischen "Nähdamen" und einigen ihrer Kinder, sondern auch von Engagementförderin Alice von Spee und Ehrenamtlerin Alina Gaedke. Beide engagieren sich seit langer Zeit haupt- und ehrenamtlich in der Flüchtlingsarbeit in Bad Godesberg. Sie führen Kardinal Woelki durch das wiedereröffnete Pfarrzentrum und erzählen von dem lebendigen Treff: "Zwei Mal in der Woche treffen sich die Frauen hier zum Nähen. Zu Beginn wussten viele von ihnen nicht, wie man eine Nähmaschine bedient. Heute ist es zu einer großen Leidenschaft für viele von Ihnen geworden."

Rund 20 Nähmaschinen, ein Wandregal mit bunten Stoffmustern sowie ein Tisch voller Hosen, Strümpfe und knochenförmiger Kissen füllen die Räumlichkeiten des wiedereröffneten Pfarrzentrums. Im Zuge der Auszahlung der zusätz­lichen Kirchen­steuer aus der Energiepreispauschale konnte das still­gelegte Pfarr­zentrum von St. Augustinus wieder­belebt und im Rahmen der Ukraine­hilfe zum Wärme­raum und Näh­treff gestaltet werden. Gleichzeitig wird die Initiative auch durch die Aktion Neue Nachbarn, die Flüchtlingshilfe des Erzbistums Köln, gefördert, erklärt Alice von Spee.

Nähen für verletzte Männer an der Front

Einmal im Monat werden die selbstgenähten Kleidungsstücke von Freiwilligen aus Köln in die Ukraine gebracht. Der Kontakt dorthin entstand über eine der geflüchteten Frauen im Nähtreff – Jana. Als sie mit ihrem Sohn vor über einem Jahr aus Charkiw floh, blieb ihr Ehemann zurück. Seit Kriegsbeginn fährt er regelmäßig an die Front und überbringt die genähten Sachen zwei Krankenhäusern in Charkiw und Saporischschja. Dort werden zahlreiche Männer mit Kriegsverletzungen behandelt. "Die knochenförmigen Kissen helfen den Verletzten, ihre Gliedmaße behutsam abzulegen", übersetzt ihr Sohn Mykita, der nun in Deutschland zur Schule geht. 

Neben den Kissen nähen die Frauen hier auch kurze Hosen mit Klettverschlüssen an den Seiten sowie übergroße Strümpfe zum Zuknöpfen. "So können die verletzten Männer angekleidet werden, ohne sich viel bewegen zu müssen", erläutert Alina Gaedke, die den ukrainischen Nähtreff leitet. Die gebürtige Polin hat bereits zur Beginn der Flüchtlingskrise Menschen aus dem Nahen Osten geholfen. Nun engagiert sie sich für das ökumenische Projekt des katholischen Seelsorgebereichs Bad Godesberg und der evangelischen Johannes-Kirchengemeinde.

„Waffen bringen keinen Frieden“

"Es ist erschreckend, wie groß die Strümpfe oder die Hosen sein müssen. An den genähten Kleidungsstücken wird deutlich, wie schlimm die Verletzungen sind", so Kardinal Woelki beim Anblick der genähten Kleidungsstücke. Die Auswirkungen des Konflikts seien nicht zu übersehen stellt er schmerzhaft fest: "Der Krieg zeigt, dass Waffen keinen Frieden, sondern nur großes Unheil bringen. Man kann nur beten und hoffen, dass der Krieg bald zu Ende ist."

Diese Hoffnung teilen auch die ukrainischen Geflüchteten in Bad Godesberg. Im Gespräch mit dem Erzbischof erzählen sie von zurückgebliebenen Freunden und Angehörigen. Von den täglichen Nachrichten und Bildern, die sie aus Kiew, Charkiw oder Dnipro erreichen. Und von der Hoffnung auf Frieden für die Ukraine. Doch sie erzählen auch von ihrer neuen Heimat und dem Leben in Deutschland.

Neues Zuhause in Deutschland

"Wir erhalten viel Unterstützung von den Menschen in Bad Godesberg. Dafür sind wir sehr dankbar", sagt Galina. Auch sie kommt aus Charkiw, genauso wie Jana und ihr Sohn. Auf die Frage, wie die Lage vor Ort sei, blickt sie traurig zur Seite: "Charkiw weint." Besonders der Osten der Ukraine sei stark von Angriffen betroffen. Das bestätigt auch Natalia, die aus Kiew mit ihren beiden Töchtern nach Deutschland gekommen ist. 

In Deutschland versuchen die Geflüchteten, sich ein neues Leben aufzubauen. Obwohl sie ihr altes Zuhause vermissen, wollen sie hierbleiben und in Frieden leben. Deshalb besuchen sie Sprachkurse und hoffen, bald ihren gelernten Berufen nachgehen zu können. Endlich wieder in Normalität leben. "Ich möchte einfach im Supermarkt einkaufen, mit den Menschen reden können und Teil der Gesellschaft sein", erzählt Jelena aus Dnipro.

Ein kleiner Beitrag mit großer Wirkung

Obwohl sie nun in Deutschland sind, möchten die Frauen dazu beitragen, dass es den Menschen in der Ukraine gut geht. Deshalb nähen sie für die Verletzten, die sich an der Front für die Sicherheit der Ukraine einsetzen. Doch sie nähen auch, um sich mental abzulenken, erklärt Gaedke. Viele der Frauen seien traumatisiert von den Erlebnissen. Das Nähen gebe ihnen einen Sinn.

Neben Hosen und Strümpfen für die verletzten Männer an der Front nähen die "Nähdamen" auch Messgewänder, Umhänge für die Sternsinger oder Mützen und Schals für Obdachlose in Bad Godesberg. "Wenn viele Hände zusammenkommen, kommt etwas Gutes dabei herum", stellt Kardinal Woelki fest. Als Dank für seinen Besuch bekommt er ein knochenförmiges Kissen geschenkt. "Das können Sie als Lesekissen verwenden", erläutert Alina Gaedke lächelnd.

Zum Abschied dankt Kardinal Woelki für die große Gastfreundschaft der ukrainischen Frauen und wünscht ihnen viel Kraft für die Zukunft: "Von Herzen wünsche ich Ihnen, dass Ihre Familien vom Krieg verschont bleiben und Sie sich bald wieder in die Arme schließen können." Hoffnungsvolle Worte, die zerplatzte Träume wiederaufleben lassen.

Über die „Aktion Neue Nachbarn“ im Erzbistum Köln

Seit November 2014 setzt sich die von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki initiierte Aktion für eine Willkommens- und Integrationskultur von geflüchteten Menschen ein. Im Fokus stehen nicht nur die Geflüchteten und ihre Bedarfe, sondern auch Ehrenamtliche, die sich freiwillig für Geflüchtete einsetzen und ihnen – den neuen Nachbarn – beim Ankommen und der sprachlichen, schulischen und beruflichen Integration helfen. Dabei dienen 21 hauptamtlich tätige Integrationsbeauftragte als Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für in der Flüchtlings- und Nachbarschaftshilfe sozial engagierte Menschen in den Stadt- und Kreisdekanaten. Sie helfen dabei, die Integration von Geflüchteten im Erzbistum Köln zu fördern, ihre Bedarfe stärker in das Bewusstsein zu rücken sowie kirchliche und nicht-kirchliche Initiativen zu vernetzen.

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