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Viele Erfolge, aber kein Grund sich auszuruhen:15 Jahre Prävention im Erzbistum Köln

Katja Birkner bei der Veranstaltung anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Stabsstelle Prävention.
Datum:
20. Okt. 2026
Von:
Newsdesk/gbl
Am 16. Oktober kamen anlässlich des 15-jährigen Bestehens der Stabsstelle Prävention im Erzbistum Köln engagierte Fachkräfte, Referentinnen und Referenten sowie Kooperationspartnerinnen und -partner zusammen. Zu den Themen gehörte auch die Weiterentwicklung von Prävention und Schutzkonzepten in den neu entstehenden Pastoralen Einheiten.

Vor 15 Jahren wurde die Stabsstelle Prävention im Erzbistum Köln ins Leben gerufen – ein Schritt, mit dem die Bistumsleitung die institutionelle Verantwortung für die vielen schmerzhaften Erfahrungen von Menschen in unserer Diözese übernahm. Seitdem wird kontinuierlich am systematischen Schutz von Kindern, Jugendlichen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen gearbeitet. Die Vermittlung des rechtlichen Rahmens sowie die Etablierung einer verlässlichen Kultur der Achtsamkeit und Sensibilisierung sind feste Bestandteile von Schulungen, Qualifizierungen, Beratungs- und Begleitangeboten.

Dank und Standortbestimmung in St. Maria Himmelfahrt

Anlässlich des 15-jährigen Bestehens lud Stabsstellenleiterin Katja Birkner am Freitag, 16. Oktober, engagierte Fachkräfte, Schulungsreferentinnen und -referenten, Multiplikatorinnen und Multiplikatoren sowie Kooperationspartnerinnen und -partner aus dem Erzbistum Köln und den weiteren NRW-Bistümern ein. Zahlreiche Gäste kamen zusammen, um gemeinsam Bilanz zu ziehen: mit einem Blick zurück auf die Anfänge, auf aktuelle Herausforderungen und auf die Aufgaben der Zukunft.

Der Abend begann um 17 Uhr mit einem gemeinsamen Gottesdienst in St. Maria Himmelfahrt. Zelebrant Generalvikar Tobias Hopmann dankte allen Anwesenden ausdrücklich für ihren Einsatz, ihre Zeit und ihre Ausdauer:

Generalvikar Dr. Tobias Hopmann hielt einen Redebeitrag am Podium.

„Die Stärke der Prävention liegt nicht im Papier und nicht in Konzepten, sondern in verlässlichen Haltungen und in Menschen, die klar und standhaft bleiben – auch in Konfliktsituationen. (…) Prävention ist erst dann wirksam, wenn Leitung, Mitarbeitende, Ehrenamtliche und Gremien – jeder und jede in seiner eigenen Rolle – gemeinsam die Verantwortung übernehmen“, so Hopmann. 

Auch 15 Jahre nach dem Bekanntwerden des institutionellen Versagens bleibe diese Verantwortung uneingeschränkt bestehen; der Mut der Betroffenen sei dabei steter Antrieb. Die Präventionsordnung bilde hierfür den verbindlichen Rahmen, denn es gehe nicht um „Empfehlungen“, sondern um „echte Rechte“. Den Zukunftsauftrag fasste der Generalvikar in drei Leitgedanken zusammen: Erinnern und schützen. Stärken stärken. In Kirche wirken und in Gesellschaft wirksam sein.

Neue Gefährdungen und pastorale Umbrüche

Im Anschluss wechselten die Gäste in das Foyer des Kölner Domforums. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Generalvikar gab Simon Friede (Referent für Prävention, Intervention und Aufarbeitung sexualisierter Gewalt) mit einem Impulsvortrag den thematischen Auftakt.

Katja Birkner blickte anschließend auf die 15-jährige Entwicklung der Stabsstelle zurück: von den Anfängen – damals mit ihren Vorgängern Oliver Vogt und Manuela Claus (ehem. Röttgen) – über anfängliche Widerstände und den angestoßenen Kulturwandel bis hin zur erfolgreichen Netzwerkarbeit und greifbaren Ergebnissen wie der Qualifizierung von mittlerweile 700 Referentinnen und Referenten.

Gruppenaufnahme des Präventionsteams.

Gleichzeitig wies sie auf neue und veränderte Herausforderungen hin: „Geprägt durch den digitalen Wandel, neue Diskriminierungswellen und gesellschaftliche Krisen gewinnen digitale Räume und soziale Medien in unserem Arbeitsfeld deutlich an Relevanz. Ebenso erfordert das Auftreten geistlichen Missbrauchs unsere verstärkte Aufmerksamkeit“, so Birkner.

Sie ergänzte: „Auf unser Erzbistum bezogen beschäftigt uns derzeit vor allem die Anpassung der Präventionsarbeit und der Schutzkonzepte auf die veränderte Struktur der neuen großen pastoralen Einheiten (Projekt “Prävention PE kompakt”). Die damit einhergehenden Veränderungen von Personalien, Verantwortlichkeiten und Strukturen bergen Risiken für zu schützende Personen, die man unbedingt verhindern muss.“

Praxiseinblicke aus verschiedenen Perspektiven

In einer von Friederike Bartmann (Katholische Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW e. V.) moderierten Gesprächsrunde teilten Akteurinnen und Akteure aus Prävention und Intervention ihre Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag:

  • Peter Binot (unabhängiger Ansprechpartner für Betroffene) berichtete über den spürbaren Wandel in der Betroffenenstruktur – weg von vorwiegend älteren hin zu vermehrt jüngeren Personen.
  • Franziska Wallot (Pastoralreferentin in der Pastoralen Einheit „Katholisch in Porz“) sprach über die wachsende Akzeptanz des Themas im pastoralen Handeln und stellte konkrete Präventionsprojekte mit Kindern im Kita-Bereich vor.
  • Annemarie Kricheldorf (Schulungsreferentin) beleuchtete das Spannungsfeld zwischen anfänglichen Vorbehalten und wachsender Aufgeschlossenheit von Teilnehmenden in Schulungen.
  • Ruth Frische (Supervisorin und Projektberaterin) ging auf das Projekt „PE kompakt“ ein und erläuterte, welche Konsequenzen die Strukturveränderungen in den Seelsorgebereichen für schutz- und hilfebedürftige Menschen haben (Projekt „Prävention PE kompakt“).

Zum Abschluss sprach Katja Birkner ihren Dank bei allen Engagierten aus und schlug dabei einen Bogen zu Papst Leo XIV., der am 8. Juni 2026 zu Schritten der Prävention aufgerufen hatte. Birkner betonte die päpstliche Forderung nach einer „Kultur der Prävention und der Fürsorge für die Schwächsten“. Das gemeinsame Ziel müsse sein, dass kirchliche Räume „ob physisch oder virtuell, wahrhaftig Orte einer fruchtbaren Begegnung mit Jesus Christus sein mögen, frei von Furcht, Misstrauen und Argwohn“. 

Mit dem Wunsch, stets gut geschützt und behütet zu sein, überreichte sie den Anwesenden symbolisch einen kleinen Schirm. Bei persönlichen Gesprächen und in offener Atmosphäre klang der Abend im Domforum aus.

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