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„Das Leben am Evangelium ausrichten“:Kardinal Woelki feierte Abschluss der Neusser Quirinus-Oktav

Quirinus-Oktav 2026 in Neuss
Datum:
4. Mai 2026
Von:
Newsdesk/bto
Traditionell begehen die Neusser um den Gedenktag ihres Pfarr- und Stadtpatrons Quirinus am 30. April eine Festwoche. In diesem Jahr erinnerte zum Abschluss der Oktav Kardinal Woelki an einen Heiligen, der „bereit gewesen war, für Gott alles zu geben, was er hatte: das Kostbarste, sein Leben“. Im Anschluss nutzte der Erzbischof auf dem Münsterplatz die Gelegenheit zu Begegnung und Gespräch mit den vielen Gläubigen.

Pfarrer Andreas Süß schlägt im Rückblick auf die Quirinus-Oktav eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. „Das feierliche Erfüllen des Neusser Gelübdes hat uns erneut tief mit unserer Geschichte verbunden“, stellt er fest. Denn dieses Gelübde geht auf die Zeit der Belagerung der Stadt in den Jahren 1474/75 durch Karl den Kühnen zurück, als Neuss in großer Not war und auf die Fürsprache von Quirinus wie durch ein Wunder verschont blieb. Seitdem wird er in besonderer Weise als Stadt- und Pfarrpatron von den Neussern verehrt.

Pfarrer Süß schwärmt von Glaubensfeststimmung

„Wenn die großen Kerzen vor dem Schrein des heiligen Quirinus entzündet werden, dann spüren wir: Wir stehen in einer langen Kette von Glaubenden, die in Not auf Gottes Beistand vertraut haben“, erklärt Süß. Und so sei diese Woche rund um das Quirinusmünster immer auch „ein lebendiges Zeugnis unseres Glaubens und unserer Gemeinschaft“. Mit „großer Dankbarkeit“ und „echter Begeisterung“ schaue er auf alles Erlebte. Sogar von einer „Glaubensfeststimmung“ schwärmt der leitende Neusser Seelsorger und lässt das Gelungene Revue passieren.

„Vom ersten Moment an war spürbar: Diese Oktav trägt. Die Jugendmesse zum Auftakt hat mit ihrer ehrlichen Frage nach der eigenen Berufung viele Herzen berührt. Und beim anschließenden Nightfever wurde unser Münster zu einem Ort der offenen Tür für Menschen aller Generationen. Kerzenlicht, Gespräche, Gebet und stille Momente vor Gott – das alles hat eine Atmosphäre geschaffen, die man nicht planen kann, sondern Geschenk ist.“

Hubertus- und Scheibenschützen tragen Quirinus-Schrein

Besonders bewegt habe ihn, erklärt Süß, wie viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene diese Tage aktiv mitgestaltet hätten. „In den Gottesdiensten mit unseren Kindergärten, Grundschulen und weiterführenden Schulen wurde der Glaube jung, lebendig und voller Freude erfahrbar.“ Auch die Mitwirkung der Sozialverbände, von Caritas, SKF und SKM sowie des Edith-Stein-Hauses, „die den Blick für die Menschen am Rand unserer Gesellschaft wachgehalten haben“, sei eindrucksvoll gewesen. Mit „großer Würde und Hingabe“ hätten zudem die Hubertus- und Scheibenschützen den Quirinus-Schrein durch die Straßen getragen haben: „ein sichtbares und bewegendes Zeugnis unseres Glaubens mitten in der Stadt“.

Die Schützen tragen den Schrein des Hl. Quirinus.

Eine Woche lang hatte es rund um das Quirinusmünster regelmäßige Gebetszeiten, besonders gestaltete Gottesdienste, Sternwallfahrten, Pilgerwege und Führungen gegeben. Für den feierlichen Abschluss war eigens der Kölner Erzbischof gekommen, der mit mehreren hundert Gläubigen aus allen Neusser Stadtteilen ein festliches Pontifikalamt feierte und die Vorbildfunktion des Heiligen Quirinus, einen frühchristlichen Märtyrer, betonte.

In seiner Predigt versuchte er aufzuzeigen, wie sehr das Glaubenszeugnis dieses Mannes, der um das Jahr 130 n. Chr. für seinen Glauben hingerichtet worden ist, noch immer in die Gegenwart hineinwirkt, sich die Menschen bei ihm bis heute Rat für das eigene Leben holen und sie bei ihm Halt und Orientierung finden.

Berührend zeichnete er den Glaubensweg des Heiligen Quirinus nach, der – so Woelki wörtlich – „bereit gewesen war, alles für Gott zu geben, was er hatte: nämlich das Kostbarste, sein Leben“. Darin sei er Jesus, der sein Leben für jeden Einzelnen hingegeben habe, ähnlich gewesen. Für seinen Glauben zu sterben habe Quirinus aber nur gekonnt, „weil er Jesus von Herzen liebte, ihn kannte und erkannte – wie wir im Tiefsten Menschen erkennen, die wir lieben“.

Kardinal Woelki mahnt neue Jesus-Frömmigkeit an

Dann stellte der Kardinal seine Zuhörer auf die Probe: „Können auch wir wie Quirinus für Jesus Christus unser Leben geben? Für unsere Kinder würden wir das sicher tun – bis zum Letzten eintreten für etwas, das einen ganz hohen Wert in unserem Leben hat“, beantwortete der Kardinal seine eigene Frage. „Aber für Jesus Christus?“ Woelki mahnt eine neue Jesus-Frömmigkeit an und erteilte jeder Form der Halbherzigkeit und Mittelmäßigkeit eine Absage. „Eigentlich müssten wir uns doch jeden Tag aufmachen, Jesus neu zu entdecken, ihn in seinen Worten und Taten zu lesen. Und erst, wenn wir zu seinem Kern vorgedrungen sind, seine Identität erkannt haben, haben wir einen Weg gefunden, der uns zu seinem Vater führt.“

Täglich neu gelte es zu überprüfen, „ob unser Leben am Evangelium ausgerichtet ist oder lediglich ein humanes Verhalten mit christlichen Zusätzen. Doch nur wenn wir anfangen, aus dem Geist des Evangeliums zu leben, können wir immer mehr das Geheimnis erahnen, das in ihm verborgen liegt.“

Identifizierung mit Stadtpatron

Dass die im elften Jahrhundert begonnene Verehrung des Heiligen Quirinus noch bis ins 21. Jahrhundert nachwirkt – ja, die Menschen an diese lokale Glaubenstradition anknüpfen, sie sich mit ihrem Stadtpatron bis auf den heutigen Tag identifizieren – zeigten in Neuss die Vielen, die den Abschlussgottesdienst mit Kardinal Woelki mitfeierten und den Quirinus-Schrein im Anschluss in langer Prozession einmal rund um das Münster geleiteten, bevor die Festmesse mit Te Deum und sakramentalem Segen in St. Quirin endete. Doch danach wurde auf dem Münsterplatz noch lange in den Abend weitergefeiert. Bei Würstchen, Bier und Blasmusik mischten sich der Erzbischof und Pfarrer Süß zu Begegnung und Gespräch unter die zahlreichen Gläubigen aus Nah und Fern.

Gekommen war, wer Rang und Namen hat. Oder auch, wer im Haupt- und Ehrenamt zu den tragenden Säulen dieses kirchlichen Gemeindelebens zählt. Und dann die Unzähligen, die sich einfach nur freuen, dass Kirche noch was los macht und hier im Herzen der Stadt ein großes Gemeinschaftserlebnis von Strahlkraft miteinander geteilt wird, das alle einbezieht und jeden willkommen heißt. Einmal mehr hatte der Heilige Quirinus sie alle in dieser Woche und an diesem Abend zusammengeführt.

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