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Drei Fragen an... Sabine Fürst-Zehnpfennig:Wie gestaltet man einen Integrationskurs für sehbehinderte Menschen?

Drei Fragen an... Sabine Fürst-Zehnpfennig
Datum:
15. Okt. 2026
Von:
Newsdesk
Keine Tafel, keine Lehrbücher: Zum internationalen Tag des weißen Stocks am 15. Oktober kündigt das Katholische Bildungswerk Köln ein landesweit neues Angebot an: Am 23. November 2026 startet es den ersten Integrationskurs in Nordrhein-Westfalen, der sich gezielt an blinde und sehbehinderte Zugewanderte richtet. Damit schließt der kirchliche Bildungsträger eine deutliche Leerstelle im Bildungssystem.

Im Interview erklärt Sabine Fürst-Zehnpfennig, Referentin für Erwachsenen- und Familienbildung im Erzbistum Köln, Einzelheiten zum Kurs.

Wie ist der Bedarf an einem solchen Angebot sichtbar geworden?

Das Katholische Bildungswerk Köln hat in Kooperation mit der Gehörlosen-Seelsorge des Erzbistums Köln einen Integrationskurs für gehörlose ukrainische Geflüchtete organisiert, der Anfang März 2026 gestartet ist.

Wir bekamen von Flüchtlingsinitiativen, Hilfsorganisationen, aber auch von der Ausländerbehörde oder dem Jobcenter Anfragen, ob das Katholische Bildungswerk Köln nicht auch einen Integrationskurs für Sehbehinderte einrichten kann. In ganz Nordrhein-Westphalen gibt es kein Angebot dieser Art. Sehbehinderte oder blinde Menschen, die einen Integrationskurs besuchen möchten, müssen u.a. bis Frankfurt, Würzburg oder Berlin fahren.  Diese erhebliche Versorgungslücke wollten wir im Katholischen Bildungswerk Köln schließen, denn nach unserem christlichen Verständnis besitzen alle Menschen die gleiche Würde und das Recht auf gesellschaftliche und sprachliche Integration. 

Keine Tafel, keine Lehrbücher: Wie bringt man Menschen eine neue Sprache bei, wenn das Schriftbild als Orientierung komplett wegfällt?

Das ist in der Tat eine sehr große Herausforderung, der wir durch den Einsatz von technischen Hilfsmitteln begegnen. Für unser interaktives Whiteboard haben wir ein Lesegerät angeschafft,  das die Texte in unterschriftlichen Schriftgrößen oder in kontrastreichen Farben darstellen kann. Das Lesegerät kann die Texte auch in verschiedenen Sprachen vorlesen. So bekommen die Teilnehmenden individuell auf ihre Bedürfnisse angepasste technische Hilfsmittel.

Was bedeutet dieser Kurs für die Teilnehmenden und ihr Ankommen hier bei uns in Köln?

Die meisten Teilnehmenden waren nicht von Geburt an sehbeeinträchtigt, sondern die Sehbeeinträchtigung ist im Laufe ihres Lebens entstanden. Dies führt zu erheblichen psychischen Belastungen, die noch dadurch verstärkt wird, dass sie in einem fremden Land ohne Sprachkenntnisse leben. Sie sind auf ständige Hilfe und Unterstützung anderer Menschen angewiesen. Unser Kurs vermittelt natürlich Sprachkenntnisse,  aber er ist mehr als das.  Die Teilnehmenden lernen andere Menschen kennen, die in derselben Situation sind wie sie selbst. Unser Kurs hilft ihnen aus ihrer Isolation. Es werden auch Angebote von Selbsthilfeorganisationen von Sehbehinderten und Blinden vorgestellt, die unsere Teilnehmenden z. B. in der Freizeitgestaltung, aber auch in juristischen Fragen unterstützen können.

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