Als der 14 Uhr-Vortag zum Thema „Nicht Wegsehen: Kirche Bildung und der Kampf gegen Antisemitismus“ beginnt, ziehen Gewitterwolken auf. Doch unter der Friedensbrücke sind wir bestens vor Regen geschützt.
Thomas Frings, Referent des Fachbereichs Dialog, stellt seinen Gästen die Frage: Was braucht es, damit Antisemitismus gar nicht erst Raum gewinnt? Im Alltag, bei der Arbeit, in Schulen? Was kann man institutionell, aber auch jeder Einzelne tun gegen Ausgrenzung und damit Menschen den Antisemiten nicht auf den Leim gehen?
Anna Thorwart von der Uni Würzburg informiert über einen entsprechenden Zusatzstudiengang für Lehramtsanwärter in Bayern. Abraham Lehrer, Vorsitzender der Synagogengemeinde in Köln und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, der mit drei bewaffneten Bodyguards erscheint, ist der Meinung, dass alle Referendare hierzulande sich künftig verpflichtend mit der Thematik vertraut machen sollten.
Doch wieviel Erinnerungsarbeit kann geleistet werden? Der Vorsitzende des Zentralrats findet, das beste Mittel sei, wenn junge Menschen andere, jüdische jungen Menschen kennenlernen und in den Dialog treten. Aber auch Synagogenführungen würden helfen. Doch „Jude“ werde auf Schulhöfen auch heute noch als Schimpfwort benutzt. Das könne aus den sozialen Medien gelernt sein oder immer noch aus den Elternhäusern kommen. Besser als die Lehrer nach Israel zu schicken, findet er, sei es, hier in Deutschland Yad Vashem-Zentren zu errichten, in denen sie dann ausgebildet werden können.
Zu meinem Erschrecken merkt Frau Thorwart an, dass Schulbücher auch Stand heute z. T. noch überarbeitet werden müssten. Leider gebe es kein Allheilmittel gegen Antisemitismus. Vor allem aber sei es wichtig, jede Diskriminierung ernst zu nehmen.
Auf die Frage, welche Veränderung sich die beiden Gäste wünschen, sagt Lehrer, er wünsche sich vor allem eines: Normalität für jüdisches Leben! Doch glaubt er nicht, dass er noch erleben wird, dass es vor den Synagogen keiner Polizei bedarf. Frau Thorwart fände die Einrichtung weiterer Bildungszentren gut und, dass alle angehenden Lehrer bundesweit entsprechend ausgebildet würden.
Schließlich weist Lehrer noch auf ein interessantes Angebot hin: Es gibt vereinzelt bereits KI-gesteuerte Hologramme von Shoah-Überlebenden, die so z.B. auch auf der Zeche Zollverein eindrücklich über ihre Erinnerungen sprechen.
Nach dem Vortrag sind meine Hände fast eingefroren. Ich verarbeite das Gehörte, in dem ich beim Abspülen der Kaffeebecher helfe - das warme Wasser lässt die Hände wieder auftauen.