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Eindrücke, Begegnungen und Erlebnisse vom 104. Katholikentag in Würzburg:„Hab Mut, steh auf!“: Blog zum Katholikentag 2026

Katholikentag 2026 in Würzburg (Tag 2, 15.05.26)
Würzburger St. Kilian Dom geschmückt mit dem Motto des 104. Katholikentags 'Hab Mut, steh auf!'
Datum:
16. Mai 2026
Von:
Newsdesk/awe
Vom 13. bis zum 17. Mai findet in Würzburg der 104. Katholikentag unter dem Motto „Hab Mut, steh auf!“ (Mk 10,49) statt. Es werden bis zu 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu insgesamt 900 Veranstaltungen erwartet. Alexandra Wenglorz, Fachbereichsleiterin Aktuelle Kommunikation & Content, berichtet täglich von ihren Begegnungen und Erlebnissen vor Ort.

Neben dem Blog sind weitere Eindrücke zum Katholikentag auch auf den Social Media-Kanälen des Erzbistums Köln zu finden:

@erzbistumkoeln_ (Instagram)

@Erzbistum (Facebook)

Programm-Flyer (PDF)

16.05.: Kölsches Heimatgefühl, Medienbesuch und Weltspiel

Ein Gespräch vom gestrigen Tag lässt mich noch nicht ganz los. Präventionsbeauftragte Katja Birkner hat mir vom Podium zum Thema Verantwortung und Weiterentwicklung erzählt.

Wie wirksam ist Prävention in der katholischen Kirche? Wie können Schutzkonzepte Kinder und Jugendliche besser schützen? Wie kann der Missbrauch geistlicher Autoritäten gegenüber Frauen aufgedeckt und in die Prävention integriert werden?

Darüber diskutierten gestern beim Podium "Zwischen Schutz und Schweigen - Sexuelle Gewalt und spiritueller Missbrauch in der Kirche" Dr. Milena Bücken, Expertin für Prävention sexualisierter Gewalt in der Kinder- und Jugendhilfe, Münster, Bischof Dr. Helmut Dieser, Vorsitzender der bischöflichen Fachgruppe für Fragen des sexuellen Missbrauchs und von Gewalterfahrungen, Aachen, Prof. Dr. Ute Leimgruber, Pastoraltheologin, Regensburg, Dr. Katharina Siepmann, Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz, Essen und Dr. Andreas Zimmer, Präventionsbeauftragter des Bistums Trier. Eine wichtiger Wegweiser für die Weiterentwicklung der Prävention und der gemeinsamen Verantwortung ist, dass Betroffene, Kinder und Jugendliche sowie schutz- oder hilfebedürftige Erwachsene beteiligt werden. Partizipation und der offene Dialog über das Leid des sexuellen Missbrauchs müssen in Konzepte und in die pastorale Arbeit, Seelsorge und den katholischen Einrichtungen als Standard integral implementiert werden.

Vorbereitet wurde das Podium vom Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bundeskonferenz der diözesanen Präventionsbeauftragten der deutschen (Erz-)Bistümer und Katholischer Deutscher Frauenbund (KDFB).

Pilgerndes Gottesvolk in Würzburg

Auf dem Stand des Erzbistums Köln ist die Stimmung auch an Tag drei bestens, auch wenn man manchen Gesichtern allmählich erste Zeichen von Erschöpfung ansieht. Diese verfliegt schnell, als Alan Khalil von den Tagungshäusern den Song „Tommi“ von AnnenMayKantereit abspielt. Kölsche Heimatgefühle machen sich breit, und sogar die heiseren unter den Kolleginnen und Kollegen fallen in den Refrain mit ein. Mit Rücksicht auf die besuchte Morgen-Veranstaltung am Nachbarstand werden wir schnell wieder etwas leiser.

Katholikentag 2026 in Würzburg (Tag 3, 16.05.26)

Nebenan, vor dem Stand des Bonifatius Hilfswerks, erörtern Monsignore Austen, Generalsekretär des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken und Sekretär des Diaspora-Kommissariats der deutschen Bischöfe und der Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz wichtige Fragen rund um die Kirchenaus- und Eintritte.

Bentz konstatiert, dass wir als Kirche wieder lernen müssen zuzuhören und wahrzunehmen, was im Einzelnen bei den Menschen los ist, die sich entscheiden auszutreten. Er verweist auf Jesus, der im Markus-Evangelium fragt: " Was willst Du, das ich Dir tun soll?".

Msg. Austen spricht in dem Zusammenhang auch von  "geistiger Nahrung". Hier müssen wir als katholische Kirche besonders junge Menschen auch digital abholen um ihnen dann in einem 2. Schritt niedrigschwellige reale Angebote zu unterbreiten, schließt Bentz. Ihm mache Mut und Hoffnung, dass wir als "pilgerndes Gottesvolk" bei allen Herausforderungen stets in Gottes Geist gekleidet sind.

Medienbesuch und Mittagsgebet

Zurück am Stand, kommt uns ein Team von K-TV besuchen, die sich zunächst am Kaffee unserer tollen Kollegen von den Tagungshäusern laben. Doch dann gelingt es, ihre Aufmerksamkeit auf die gleichermaßen spannenden wie (überlebens-)wichtigen Projekte der Weltkirche zu lenken, wobei mich Hannah Aksungur von der weltkirchlichen Zusammenarbeit wie auf Knopfdruck tatkräftig unterstützt.

Kurz vor dem Mittagsgebet schaut noch Joachim Frank, Chef-Korrespondent des Kölner Stadt-Anzeigers auf dem sich gerade füllenden Stand vorbei und nimmt einen schnellen Tee bei uns ein. Dann beten wir am Stand unter der Leitung von Laura Tinzoh das Friedensgebet des Hl. Franziskus, es folgen Fürbitten im Sinne eines weltweiten Für- und Miteinanders, gefolgt vom Irischen Segenslied.

Weltspiel und Internationaler Freiwilligendienst

Julia Mbaye und Laura Tinzoh, Referentinnen für Mission, Entwicklung und Frieden, hatten zuvor schon das große Weltspiel vor unserem Stand aufgebaut, und laden nun Vorrübergehende ein, mitzuspielen. Bei diesem Spiel geht es um die globale Verteilung der Weltbevölkerung und auch um die des Einkommens. Ziel ist es Perspektiven zu wechseln, gemeinsam Ungerechtigkeiten zu erkennen und Verständnis für eine gerechtere Verteilung zu gewinnen.

Dann wirbt die bei diesem Thema besonders strahlende Laura Tinzoh, die heute zudem ein bemerkenswert schönes Kleid trägt, noch für den Internationalen Freiwilligen Dienst, eine großartige Initiative des Erzbistums Köln, über welche junge Menschen in einem geschützten Rahmen, begleitet durch die Weltkirche und voll finanziert vom Erzbistum, für ein Jahr spannende Auslandserfahrungen sammeln dürfen.

Damit endet auch schon mein Besuch auf dem 104. Katholikentag. Ich verabschiede mich von den netten Kolleginnen und Kollegen, die noch einen weiteren Tag in Würzburg und im regen Austausch mit anderen Gläubigen vor sich haben, um allmählich meine Rückreise anzutreten.

Laura Tinzoh erzählt vom Freiwilligendienst im Erzbistum Köln

Laura Tinzoh erzählt vom Freiwilligendienst im Erzbistum Köln

Abschied aus Würzburg

Damit endet auch schon mein Besuch auf dem 104. Katholikentag. Ich verabschiede mich von den netten Kolleginnen und Kollegen, die noch einen weiteren Tag in Würzburg und im regen Austausch mit anderen Gläubigen vor sich haben, um allmählich meine Rückreise anzutreten.

15. Mai: Riesiges Weihrauch-Gefäß, überfüllter Gottesdienst und Blick nach Myanmar

Heute darf ich unseren Generalvikar, Monsignore Guido Assmann, begleiten. Während wir uns unterhalten laufen wir zum Domradio-Stand am Marktplatz, wo ich bei einer Fürbitten-Aktion mitmache und wo gerade definitiv das größte Weihrauch-Gefäß „ever“ zu sehen ist. 

Der bald scheidende Generalvikar, der aber weiterhin die Rolle des Dompropstes innehaben wird, blickt mit Oliver Kelch von Domradio.de auf seine vierjährige Amtszeit als Alter Ego des Kardinals zurück.

Domradio.de-Interview mit Generalvikar Msgr. Assmann

Gottesdienst wegen Überfüllung geschlossen

Anschließend folge ich ihm in den Kolping-Gottesdienst in der Neumünster Kirche. Vor dem Eingang ein selten gewordener Anblick: ein junger Mann hält ein Schild hoch, auf dem zu lesen steht, dass die Kirche wegen Überfüllung für weitere Besucher geschlossen sei! Während andere Menschen draußen mitfeiern müssen, wird Monsignore Assmann Zutritt gewährt. Nur weil ich den Presseausweis zücke, darf ich ebenfalls eintreten.

Was für ein schöner Anblick, eine volle Kirche, wie man sie sonst meist nur an Weihnachten oder bei einer Hochzeit erlebt! Viele Menschen sind in den Kolping-Farben orange-schwarz gekleidet oder halten Banner in diesen Farben. Eine Band begleitet den Gottesdienst stimmungsvoll. Bei der Kommunion müssen sogar Hostien nachgeholt werden, damit diese für alle reichen.

Schlendern über die Kirchenmeile und Begegnungen mit Kollegen

Aus der Innenstadt führt mich mein Weg zurück zur Kirchenmeile vorbei am „Brückenschoppen“, wo eine für diese Uhrzeit erstaunlich lange Menschenschlange bereits für ein Gläschen Frankenwein ansteht. Die alte Mainbrücke, eine historische Fußgängerbrücke und Hauptwahrzeichen der Stadt, ist gesäumt von barocken Heiligenfiguren. Hier bietet sich ein spektakulärer Blick auf die Festung Marienberg.

Auf der anderen Seite des Mains ist jetzt vor lauter Menschen kaum noch Durchkommen und auch relativ viel Polizei ist anwesend; der Bundeskanzler mit seiner Entourage besucht gerade die Kirchenmeile.

Beim Vorbeigehen an den unterschiedlichsten Ständen, wird mir erneut die Verschiedenheit und Vielfalt der einzelnen Gruppen bewusst, die hier gerade alle als Menschen katholischen Glaubens zusammenkommen. Bei dem Stand der Gründerkirche des BVB schaue ich, ob ich für meinem Sohn, der ein großer Fan des Vereins ist, nicht vielleicht ein interessantes Mitbringsel ergattern kann. 

Dann kämpfe ich mich weiter durch in Richtung Friedensbrücke, bis mich ein intensiver Lavendelduft in ein ökumenisches Zelt lockt, in dem man Jutetaschen mit netten Sprüchen und Motiven selbst bedrucken kann, doch die nächste Veranstaltung ruft.

Bevor ich wieder zum Stand komme, schaue ich bei unserer Präventionsbeauftragten Katja Birkner vorbei, die ich im angeregten Austausch mit dem Essener Generalvikar Pfeffer antreffe. Hier stößt auch Monsignore Assmann wieder dazu, den ich in der übervollen Kirche aus den Augen verloren hatte.

Blick von Würzburg nach Myanmar

Parallel zum Kolping-Gottesdienst fand am Erzbistums-Stand am Vormittag ein Gespräch über Hilfe für Myanmar statt. Die Studentin Mariam Ammann, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagiert, sprach  mit Helfern vor Ort. Gemeinsam wollen sie Bewusstsein schaffen für die Situation der verfolgten Menschen in Myanmar, über die die breite Öffentlichkeit immer noch viel zu wenig weiß. Im Anschluss an das Gespräch schildern sie und Alessandro Chieregato, Referent für Weltkirchliche Zusammenarbeit, mir die Hintergründe und welche Rolle die Gesprächspartner bei der Myanmar-Hilfe innehaben.

Seit 50 Jahren übernimmt das Erzbistum Köln Verantwortung für weltkirchliche Themen und hier ist Myanmar ein Schwerpunkt. Seit 1954 besteht eine Partnerschaft mit Tokyio und heute unterstützen beide Diözesen Myanmar – ein Land, welches seit seiner Unabhängigkeit kaum Frieden erlebt hat. Die Menschen sind ständig unter Beschuss und gezwungen von einem Shelter zum nächsten zu fliehen.

Rosalyn Kayah von den Jesuit Refugee Services (JRS) begleitet die Menschen auf der Flucht. Die Erschöpfung durch diese Strapazen kann man ihr ansehen. Besonders durch Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche will sie Abhilfe schaffen, denn es gibt dort praktisch keine formale Beschulung mehr. Bei Drohnen- oder anderen Angriffen lassen die Kinder sich aus den erhöht gebauten Hütten herausfallen um sich in Gräben vor Verletzungen durch Splitter zu schützen.

Father Augustine Win Mynt von der Diözese Mandalay ist der Koordinator des Emergency Response Teams, das sich um Behausung, Nahrung und medizinische Versorgung und Bildung kümmert. Die Bildungsprojekte der Diözese Mandalay für Kinder und Jugendlichen werden mit Tokyo gemeinsam gefördert. Erzbischof Marco Tin Win unterstützt mit Gebet und durch seine Besuche bei den betroffenen Gemeinden. So stärkt und ermutigt er die Gemeinschaft auf diese Weise.

Während ich mir Notizen mache, bereiten zwei Schwestern aus Myanmar einen sehr leckeren burmesischen Salat zu, bestehend aus Kichererbsen, Erdnüssen, Weißkohl, Tomaten und viel Knoblauch, gewürzt mit einer selbstgemachten Paste aus grünem Tee. Die Kostenden sind begeistert und ich derselben Auffassung.

Hilfe zur Selbsthilfe in der weltkirchlichen Zusammenarbeit

Nachmittags stellt die Weltkirche ihre Zusammenarbeit mit Mathias Kaps von der Starkmacher Impact GmbH (SMI)vor, erneut moderiert Mariam Ammann. Thema ist die Förderung zur Selbständigkeit.

Weil die Zahlen der Gläubigen weiter sinken und damit auch die zur Verfügung stehenden Mittel knapper werden, ist ein Umdenken erforderlich. Es wird zunehmend notwendig, Gelder wiederholt zu verwenden. Hier ist Hilfe zur Selbsthilfe gefragt! Das Stichwort lautet "Revolving Fund". Dabei werden Hilfeempfänger ermächtigt, mehr Geld zu verdienen, welches dann wieder investiert werden kann oder es geht um Investitionen, durch die Geld eingespart wird, beispielsweise Energiegewinn durch den Einbau von Solaranlagen.

Dadurch wird eine Partnerschaft auf Augenhöhe möglich, weil Menschen in Würde das Geld zurückzahlen können bzw. auch selbst zu Spendenden werden können. Wichtig dabei ist: das Geld kehrt nicht zurück nach Köln, es bleibt im Land und kann dort noch mehr Gutes bewirken. Hierbei ist es erforderlich, neue, innovative Wege zu gehen wie zum Beispiel mit dem Einsatz grüner Energie.

Ausklang des Tages mit Cappuccino und Kölsch

Im Anschluss an die Veranstaltung genießen die Mainzer Bischöfe mit Nadim Ammann einen Cappuccino. 

Bevor der Tag bei Kölsch und tiefgründigen Gesprächen ausklingt, bewundere ich noch kurz das „Innovation Lab“ eines modernen Nachbarbistums von dessen Dom ich mich mittels VR-Brille sogar herunterstürze und besuche den Stand des Diözesanrats der Katholiken im Erzbistum Köln, wo ich von der Laienvertretung nicht nur zum Mitmachen bei ihrer „Mut-ich“-Aktion, sondern auch zur Teilnahme am Kölschen Abend eingeladen werde.

14. Mai: Auf dem Weg zum 104. Katholikentag

Die erste Hürde ist geschafft: Aus meiner Kleinstadt bin ich rechtzeitig am Düsseldorfer Hauptbahnhof, um den ICE nach Würzburg zu nehmen. Und es hat sogar noch für einen 2. Kaffee gereicht...

Wie wird es sein, dort auf tausende von Menschen zu treffen, die sich unter dem Motto "Hab Mut, steh auf" aktiv mit ihrem Glauben und mit den drängenden gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen?

Der blinde Bartimäus, an den Jesus diese Worte (im Markusevangelium) richtet, gilt als Außenseiter. Sind wir als Katholiken mittlerweile Außenseiter, auch wenn in Würzburg rund 30.000 Menschen erwartet werden? Oder geht es vielmehr darum, sich besonders um die Ausgegrenzten, aus verschiedensten Gründen benachteiligten Menschen zu kümmern?

Er (Bartimäus) jedenfalls überwindet sich und die Hindernisse und wird geheilt. Das Motto schenkt also Zuversicht, macht Hoffnung, den Glauben aktiv im Alltag zu leben. Es ist ein Aufruf zu zivilcouragiertem Handeln aus dem Glauben heraus, besonders in Zeiten gesellschaftlicher Krisen und Verunsicherung.

Ist damit auch Mut zur Veränderung gemeint?

Gespannt hoffe ich, dass auch Petrus uns gewogen ist und das Wetter hält.

Angekommen

Punktlandung: In Würzburg angekommen laufe ich mit Gepäck durch einen Park zum Main-Ufer und über die Friedensbrücke bis zum Stand des Erzbistums Köln unter derselben, wo just in dem Moment die beiden Bereichsleiter Kristell Köhler und Nadim Ammann den Stand eröffnen.

Schwerpunktthema in diesem Jahr ist das Weltkirchliche Engagement. In verschiedenen Veranstaltungen geht es um Demokratie und Menschenfreundlichkeit, eine nachhaltigere Welt, den Einsatz für Geflüchtete in Myanmar oder die Förderung zur Selbstständigkeit. Und natürlich bietet der Stand auch Raum und Zeit für Begegnungen und Gespräche. 

Nach dem Mittagsgebet, bei dem es um Integration, um das liebevolle Kümmern um ausgegrenzte Menschen geht, setzt am Stand ein regelrechter Ansturm auf die Kaffee-Spezialitäten ein, welche von den Kollegen aus den Tagungshäusern im Akkord zubereitet werden. Wie schnell sich herumgesprochen hat, dass der Kaffee bei uns schmeckt!

Im Vorbeigehen bekomme ich mit, dass László Kardinal Német, Erzbischof von Belgrad, unseren Stand besucht.

Katholikentag 2026: Eröffnung des Stands des Erzbistums Köln

Kristell Köhler, Bereichsleitung Glaubensorte & Verkündigung, und Nadim Amman, Bereichsleitung Weltkirche & Dialog, zur Eröffnung des Stands des Erzbistums Köln auf dem 104. Katholikentag in Würzburg.

Vortrag: „Nicht Wegsehen: Kirche, Bildung und der Kampf gegen Antisemitismus“

Als der 14 Uhr-Vortag zum Thema „Nicht Wegsehen: Kirche, Bildung und der Kampf gegen Antisemitismus“ beginnt, ziehen Gewitterwolken auf. Doch unter der Friedensbrücke sind wir bestens vor Regen geschützt.

Thomas Frings, Referent des Fachbereichs Dialog, stellt seinen Gästen die Frage: Was braucht es, damit Antisemitismus gar nicht erst Raum gewinnt? Im Alltag, bei der Arbeit, in Schulen? Was kann man institutionell, aber auch jeder Einzelne tun gegen Ausgrenzung und damit Menschen den Antisemiten nicht auf den Leim gehen? 

Anna Thorwart von der Uni Würzburg informiert über einen entsprechenden Zusatzstudiengang für Lehramtsanwärter in Bayern. Abraham Lehrer, Vorsitzender der Synagogengemeinde in Köln und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, der mit drei bewaffneten Bodyguards erscheint, ist der Meinung, dass alle Referendare hierzulande sich künftig verpflichtend mit der Thematik vertraut machen sollten.

Doch wieviel Erinnerungsarbeit kann geleistet werden? Der Vorsitzende des Zentralrats findet, das beste Mittel sei, wenn junge Menschen andere, jüdische jungen Menschen kennenlernen und in den Dialog treten. Aber auch Synagogenführungen würden helfen. Doch „Jude“ werde auf Schulhöfen auch heute noch als Schimpfwort benutzt. Das könne aus den sozialen Medien gelernt sein oder immer noch aus den Elternhäusern kommen. Besser als die Lehrer nach Israel zu schicken, findet er, sei es, hier in Deutschland Yad Vashem-Zentren zu errichten, in denen sie dann ausgebildet werden können.

Zu meinem Erschrecken merkt Frau Thorwart an, dass Schulbücher auch Stand heute z. T. noch überarbeitet werden müssten. Leider gebe es kein Allheilmittel gegen Antisemitismus. Vor allem aber sei es wichtig, jede Diskriminierung ernst zu nehmen. 

Auf die Frage, welche Veränderung sich die beiden Gäste wünschen, sagt Lehrer, er wünsche sich vor allem eines: Normalität für jüdisches Leben! Doch glaubt er nicht, dass er noch erleben wird, dass es vor den Synagogen keiner Polizei bedarf. Frau Thorwart fände die Einrichtung weiterer Bildungszentren gut und, dass alle angehenden Lehrer bundesweit entsprechend ausgebildet würden.

Schließlich weist Lehrer noch auf ein interessantes Angebot hin: Es gibt vereinzelt bereits KI-gesteuerte Hologramme von Shoah-Überlebenden, die so z.B. auch auf der Zeche Zollverein eindrücklich über ihre Erinnerungen sprechen.

Nach dem Vortrag sind meine Hände fast eingefroren. Ich verarbeite das Gehörte, in dem ich beim Abspülen der Kaffeebecher helfe - das warme Wasser lässt die Hände wieder auftauen.

Bummel über den Katholikentag

Als die Sonne rauskommt, verlasse ich den Stand, um zu schauen, was auf den anderen Ständen der Kirchenmeile geboten wird. So viele engagierte Menschen, die für ihre jeweiligen Themen und Projekte werben und brennen! Bei den Ständen von Aufarbeitung und Prävention gibt es - zumindest zu diesem Zeitpunkt – leider nur relativ wenig Zulauf.

Bei der freundlichen „BiBaRista“ vom Bistum Fulda borge ich 4 L Milch für unseren Stand, denn die ist uns aufgrund der großen Nachfrage bereits ausgegangen. Beim Stand des Bistums Essen bleibe ich hängen. Eine Menschenmenge schart sich um Generalvikar Pfeffer, den Ruhrbischof, wie auch um zwei riesige Töpfe mit Currywurst und einen Stapel Stauder-Kästen; ein cleverer Schachzug der Kollegen!

Diskussion zur Lage der Christen im Nahen Osten

Katholikentag 2026 in Würzburg (Tag 1, 14. Mai)

Abends begleite ich Nadim Ammann, Bereichsleiter Weltkirche & Dialog, in das prall gefüllte Mainfrankentheater zur wohl spannendsten Podiumsdiskussion des Tages, moderiert von Renardo Schlegelmilch, Chefredakteur Domradio.de, weshalb ich leider nicht mitbekomme, ob das Kölsch auf unserem Stand ebenso gut ankommt.

Im Theater geht es um die Christen im Nahen Osten, darum, ob sie trotz Verfolgung bleiben oder aufgeben und gehen.

Aus erster Hand berichten Christen von der Situation dort: Abt Dr. Nikodemus Schnabel, OSB der deutschsprachigen Dormitio-Abtei in Jerusalem, der wie seine Mitglaubenden aufgrund der christenfeindlichen Regierung vielfach Demütigungen und Angriffe erleben musste, wundert sich darüber, wie diese Erfahrungen in Deutschland kleingeredet werden. "Religionsfreiheit ist nicht etwa „nice to have“, sie ist ein Menschenrecht!“, sagt er.

Die Palästinenserin Reem Akroush vom Jerusalem-Büro des Deutschen Vereins vom Heiligen Land, erzählt bei aller Perspektivlosigkeit ihrer Landsleute von deren mutigem Ringen um Normalität.

Michael Constantin, Regionaldirektor des Päpstlichen Missionswerks im Libanon aus Beirut, und einer der 30% libanesischen Christen berichtet von der Zerstörung christlicher Dörfer im Süden Libanons, wo Menschen von Wasser und Grundversorgung abgeschnitten sind.

Auch Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz aus Paderborn, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten bei der DBK, findet zur Situation der Christen eindeutige Worte. "Religion ist eine echte Friedensressource im Nahen Osten. Wir möchten den Christen gute Perspektiven geben, aber wir verstehen uns auch als echte Brückenbauer."

Die informative Veranstaltung kann bei Domradio.de nachgesehen werden.

Das Erzbistum Köln auf dem Katholikentag in Würzburg

Auch das Erzbistum Köln beteiligt sich mit verschiedenen Formaten am 104. Deutschen Katholikentag und ist mit einem eigenen Stand unter dem Motto „Mutig unterwegs – weltkirchlich verbunden“ auf der Kirchenmeile vertreten (Stand FB-M-28, unter der Friedensbrücke links des Mains). 

Ihr erreicht den Blog über den Kurzlink:

www.erzbistum-koeln.de/katholikentag26

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