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Eindrücke, Begegnungen und Erlebnisse vom 104. Katholikentag in Würzburg:„Hab Mut, steh auf!“: Blog zum Katholikentag 2026

Tag 1 auf dem Katholikentag in Würzburg
Datum:
14. Mai 2026
Von:
Newsdesk/awe
Vom 13. bis zum 17. Mai findet in Würzburg der 104. Katholikentag unter dem Motto „Hab Mut, steh auf!“ (Mk 10,49) statt. Es werden bis zu 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu insgesamt 900 Veranstaltungen erwartet. Alexandra Wenglorz, Fachbereichsleiterin Aktuelle Kommunikation & Content, berichtet täglich von ihren Begegnungen und Erlebnissen vor Ort.

Neben dem Blog sind weitere Eindrücke zum Katholikentag auch auf den Social Media-Kanälen des Erzbistums Köln zu finden:

@erzbistumkoeln_ (Instagram)

@Erzbistum (Facebook)

Programm-Flyer (PDF)

14. Mai: Auf dem Weg zum 104. Katholikentag

Die erste Hürde ist geschafft: Aus meiner Kleinstadt bin ich rechtzeitig am Düsseldorfer Hauptbahnhof, um den ICE nach Würzburg zu nehmen. Und es hat sogar noch für einen 2. Kaffee gereicht...

Wie wird es sein, dort auf tausende von Menschen zu treffen, die sich unter dem Motto "Hab Mut, steh auf" aktiv mit ihrem Glauben und mit den drängenden gesellschaftlichen Fragen auseinandersetzen?

Der blinde Bartimäus, an den Jesus diese Worte (im Markusevangelium) richtet, gilt als Außenseiter. Sind wir als Katholiken mittlerweile Außenseiter, auch wenn in Würzburg rund 30.000 Menschen erwartet werden? Oder geht es vielmehr darum, sich besonders um die Ausgegrenzten, aus verschiedensten Gründen benachteiligten Menschen zu kümmern?

Er (Bartimäus) jedenfalls überwindet sich und die Hindernisse und wird geheilt. Das Motto schenkt also Zuversicht, macht Hoffnung, den Glauben aktiv im Alltag zu leben. Es ist ein Aufruf zu zivilcouragiertem Handeln aus dem Glauben heraus, besonders in Zeiten gesellschaftlicher Krisen und Verunsicherung.

Ist damit auch Mut zur Veränderung gemeint?

Gespannt hoffe ich, dass auch Petrus uns gewogen ist und das Wetter hält.

Angekommen

Punktlandung: In Würzburg angekommen laufe ich mit Gepäck durch einen Park zum Main-Ufer und über die Friedensbrücke bis zum Stand des Erzbistums Köln unter derselben, wo just in dem Moment die beiden Bereichsleiter Kristell Köhler und Nadim Ammann den Stand eröffnen.

Schwerpunktthema in diesem Jahr ist das Weltkirchliche Engagement. In verschiedenen Veranstaltungen geht es um Demokratie und Menschenfreundlichkeit, eine nachhaltigere Welt, den Einsatz für Geflüchtete in Myanmar oder die Förderung zur Selbstständigkeit. Und natürlich bietet der Stand auch Raum und Zeit für Begegnungen und Gespräche. 

Nach dem Mittagsgebet, bei dem es um Integration, um das liebevolle Kümmern um ausgegrenzte Menschen geht, setzt am Stand ein regelrechter Ansturm auf die Kaffee-Spezialitäten ein, welche von den Kollegen aus den Tagungshäusern im Akkord zubereitet werden. Wie schnell sich herumgesprochen hat, dass der Kaffee bei uns schmeckt!

Im Vorbeigehen bekomme ich mit, dass László Kardinal Német, Erzbischof von Belgrad, unseren Stand besucht.

Katholikentag 2026: Eröffnung des Stands des Erzbistums Köln

Kristell Köhler, Bereichsleitung Glaubensorte & Verkündigung, und Nadim Amman, Bereichsleitung Weltkirche & Dialog, zur Eröffnung des Stands des Erzbistums Köln auf dem 104. Katholikentag in Würzburg.

Vortrag: „Nicht Wegsehen: Kirche Bildung und der Kampf gegen Antisemitismus“

Als der 14 Uhr-Vortag zum Thema „Nicht Wegsehen: Kirche Bildung und der Kampf gegen Antisemitismus“ beginnt, ziehen Gewitterwolken auf. Doch unter der Friedensbrücke sind wir bestens vor Regen geschützt.

Thomas Frings, Referent des Fachbereichs Dialog, stellt seinen Gästen die Frage: Was braucht es, damit Antisemitismus gar nicht erst Raum gewinnt? Im Alltag, bei der Arbeit, in Schulen? Was kann man institutionell, aber auch jeder Einzelne tun gegen Ausgrenzung und damit Menschen den Antisemiten nicht auf den Leim gehen? 

Anna Thorwart von der Uni Würzburg informiert über einen entsprechenden Zusatzstudiengang für Lehramtsanwärter in Bayern. Abraham Lehrer, Vorsitzender der Synagogengemeinde in Köln und Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, der mit drei bewaffneten Bodyguards erscheint, ist der Meinung, dass alle Referendare hierzulande sich künftig verpflichtend mit der Thematik vertraut machen sollten.

Doch wieviel Erinnerungsarbeit kann geleistet werden? Der Vorsitzende des Zentralrats findet, das beste Mittel sei, wenn junge Menschen andere, jüdische jungen Menschen kennenlernen und in den Dialog treten. Aber auch Synagogenführungen würden helfen. Doch „Jude“ werde auf Schulhöfen auch heute noch als Schimpfwort benutzt. Das könne aus den sozialen Medien gelernt sein oder immer noch aus den Elternhäusern kommen. Besser als die Lehrer nach Israel zu schicken, findet er, sei es, hier in Deutschland Yad Vashem-Zentren zu errichten, in denen sie dann ausgebildet werden können.

Zu meinem Erschrecken merkt Frau Thorwart an, dass Schulbücher auch Stand heute z. T. noch überarbeitet werden müssten. Leider gebe es kein Allheilmittel gegen Antisemitismus. Vor allem aber sei es wichtig, jede Diskriminierung ernst zu nehmen. 

Auf die Frage, welche Veränderung sich die beiden Gäste wünschen, sagt Lehrer, er wünsche sich vor allem eines: Normalität für jüdisches Leben! Doch glaubt er nicht, dass er noch erleben wird, dass es vor den Synagogen keiner Polizei bedarf. Frau Thorwart fände die Einrichtung weiterer Bildungszentren gut und, dass alle angehenden Lehrer bundesweit entsprechend ausgebildet würden.

Schließlich weist Lehrer noch auf ein interessantes Angebot hin: Es gibt vereinzelt bereits KI-gesteuerte Hologramme von Shoah-Überlebenden, die so z.B. auch auf der Zeche Zollverein eindrücklich über ihre Erinnerungen sprechen.

Nach dem Vortrag sind meine Hände fast eingefroren. Ich verarbeite das Gehörte, in dem ich beim Abspülen der Kaffeebecher helfe - das warme Wasser lässt die Hände wieder auftauen.

Bummel über den Katholikentag

Als die Sonne rauskommt, verlasse ich den Stand, um zu schauen, was auf den anderen Ständen der Kirchenmeile geboten wird. So viele engagierte Menschen, die für ihre jeweiligen Themen und Projekte werben und brennen! Bei den Ständen von Aufarbeitung und Prävention gibt es - zumindest zu diesem Zeitpunkt – leider nur relativ wenig Zulauf.

Bei der freundlichen „BiBaRista“ vom Bistum Fulda borge ich 4 L Milch für unseren Stand, denn die ist uns aufgrund der großen Nachfrage bereits ausgegangen. Beim Stand des Bistums Essen bleibe ich hängen. Eine Menschenmenge schart sich um Generalvikar Pfeffer, den Ruhrbischof, wie auch um zwei riesige Töpfe mit Currywurst und einen Stapel Stauder-Kästen; ein cleverer Schachzug der Kollegen!

Diskussion zur Lage der Christen im Nahen Osten

Katholikentag 2026 in Würzburg (Tag 1, 14. Mai)

Abends begleite ich Nadim Ammann, Bereichsleiter Weltkirche & Dialog, in das prall gefüllte Mainfrankentheater zur wohl spannendsten Podiumsdiskussion des Tages, moderiert von Renardo Schlegelmilch, Chefredakteur Domradio.de, weshalb ich leider nicht mitbekomme, ob das Kölsch auf unserem Stand ebenso gut ankommt.

Im Theater geht es um die Christen im Nahen Osten, darum, ob sie trotz Verfolgung bleiben oder aufgeben und gehen.

Aus erster Hand berichten Christen von der Situation dort: Abt Dr. Nikodemus Schnabel, OSB der deutschsprachigen Dormitio-Abtei in Jerusalem, der wie seine Mitglaubenden aufgrund der christenfeindlichen Regierung vielfach Demütigungen und Angriffe erleben musste, wundert sich darüber, wie diese Erfahrungen in Deutschland kleingeredet werden. "Religionsfreiheit ist nicht etwa „nice to have“, sie ist ein Menschenrecht!“, sagt er.

Die Palästinenserin Reem Akroush vom Jerusalem-Büro des Deutschen Vereins vom Heiligen Land, erzählt bei aller Perspektivlosigkeit ihrer Landsleute von deren mutigem Ringen um Normalität.

Michael Constantin, Regionaldirektor des Päpstlichen Missionswerks im Libanon aus Beirut, und einer der 30% libanesischen Christen berichtet von der Zerstörung christlicher Dörfer im Süden Libanons, wo Menschen von Wasser und Grundversorgung abgeschnitten sind.

Auch Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz aus Paderborn, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Naher und Mittlerer Osten bei der DBK, findet zur Situation der Christen eindeutige Worte. "Religion ist eine echte Friedensressource im Nahen Osten. Wir möchten den Christen gute Perspektiven geben, aber wir verstehen uns auch als echte Brückenbauer."

Die informative Veranstaltung kann bei Domradio.de nachgesehen werden.

Das Erzbistum Köln auf dem Katholikentag in Würzburg

Auch das Erzbistum Köln beteiligt sich mit verschiedenen Formaten am 104. Deutschen Katholikentag und ist mit einem eigenen Stand unter dem Motto „Mutig unterwegs – weltkirchlich verbunden“ auf der Kirchenmeile vertreten (Stand FB-M-28, unter der Friedensbrücke links des Mains). 

Ihr erreicht den Blog über den Kurzlink:

www.erzbistum-koeln.de/katholikentag26

Erzbistum Köln auf Social Media:

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