Ertrags- und Vermögenslage | Finanzbericht 2020

Ertrags- und Vermögenslage

Erzbistum Köln: Daten und Fakten 2020

 

Das Erzbistum Köln erstreckt sich über eine Fläche von rund 6.181 Quadratkilometern und damit über knapp 20 Prozent der Fläche des Landes Nordrhein-Westfalen und ist mit 1,9 Millionen Katholiken das mitgliederstärkste Bistum unter den deutschen Diözesen. Im Berichtsjahr umfasste das Erzbistum 178 Seelsorgebereiche mit 517 rechtlich selbstständigen Kirchengemeinden sowie 15 rechtlich selbstständigen Gemeindeverbänden und einer Vielzahl von Kirchengemeindeverbänden, die im Wesentlichen über Zuweisungen und Zuschüsse des Erzbistums Köln finanziert werden.

 

Die Katholikenzahl im Erzbistum ging auch 2020 weiter zurück. Sie sank um rund 37.300 Kirchenmitglieder, das heißt um rund 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, und lag am Jahresende bei 1.868.567. Ursachen sind die demografische Entwicklung, Migration und Kirchenaustritte. 18.547 Beerdigungen standen rund 7.845 Taufen gegenüber. Die Zahl der Austritte lag mit 17.281 unterhalb des Vorjahres (2019: 24.298). Darüber hinaus reduzierte sich die Mitgliederzahl durch Wanderungseffekte und sonstige Veränderungen.

Entwicklung der Mitgliederzahl

2020

2019

Kirchenmitglieder zum 01.01.

1.905.902

1.942.733

Taufen

7.845

13.438

Kircheneintritte

169

248

Wiederaufnahmen

444

573

Beerdigungen

–18.547

–18.722

Austritte

–17.281

–24.298

Sonstige Veränderung

–9.965

–8.070

Kirchenmitglieder zum 31.12.

1.868.567

1.905.902

Verwendung der Erträge


Die Erträge des Erzbistums Köln bilden eine wichtige Basis für die nachhaltige Erfüllung der Aufgaben und tragen maßgeblich zur Finanzierung umfangreicher Aktivitäten in mehreren Handlungsfeldern bei. Sie werden insbesondere verwendet, um die Kirchengemeinden und Verbände zu finanzieren, die die seelsorgerische und karitative Arbeit leisten. Außerdem fließen sie in den Erhalt der Infrastruktur im Erzbistum und in die nachhaltige Gestaltung kirchlicher Arbeit und ermöglichen zum Beispiel die Instandhaltung der erforderlichen Gebäude in Kirchengemeinden.

Entwicklung der Erträge

 

Die ordentlichen Erträge des Erzbistums Köln haben sich im Berichtsjahr insgesamt um 0,7 Prozent besser entwickelt als im Wirtschaftsplan für das Jahr 2020 prognostiziert. Sie lagen bei rund 900,2 Mio. Euro und damit rund 0,4 Prozent unter Vorjahresniveau.

 

Dabei bildet die Kirchensteuer die größte Ertragsquelle des Erzbistums. Gegenüber dem Vorjahr gingen die aus ihr generierten Einnahmen um 4,5 Prozent auf 653,6 Mio. Euro zurück (2019: 684,2 Mio. Euro). Damit haben die Kirchensteuereinnahmen im Erzbistum Köln 2020 in der Jahresbetrachtung erstmalig seit 2011 keine Zuwächse verzeichnet. Diese Entwicklung geht vor allem auf die Covid-19-Pandemie zurück. So konnten im Berichtsjahr negative Auswirkungen wie Kirchenaustritte oder die demografische Entwicklung nicht wie in den Vorjahren durch anhaltendes Wachstum der Erwerbstätigkeit kompensiert werden. Der Anteil der Kirchensteuer an den gesamten Erträgen des Erzbistums lag mit 68,7 Prozent rund 3,5 Prozentpunkte unter dem Niveau des Vorjahres.

 

Neben der Kirchensteuer erhält das Erzbistum auch Zuweisungen und Zuschüsse, die das Land Nordrhein-Westfalen, insbesondere für den Betrieb der erzbischöflichen Schulen, leistet. Sie stellen die zweitgrößte Ertragsposition des Erzbistums dar und stiegen gegenüber dem Vorjahr um 3 Prozent auf rund 134,1 Mio. Euro. Die sonstigen Umsatzerlöse gingen 2020 dagegen um 15,7 Prozent auf 38,8 Mio. Euro zurück, insbesondere aufgrund geringerer Erträge aus Beherbergung und Verköstigung in den Tagungshäusern des Erzbistums im Zuge der Covid-19-Pandemie.

 

Die sonstigen Erträge des Erzbistums können grundsätzlich größeren Schwankungen unterliegen. Sie verzeichneten vor allem aufgrund höherer Auflösungen von Rückstellungen,
gestiegener Erträge aus Rückforderungen von Zuwendungen sowie einer Zunahme der Erträge aus der Auflösung eines Sonderpostens einen deutlichen Zuwachs von 68,1 Prozent auf 73,6 Mio. Euro.

Die Aufwendungen des Erzbistums stiegen 2020 um 4,6 Prozent auf rund 934 Mio. Euro (2019: 893,2 Mio. Euro).

 

Grund für den Anstieg sind vor allem höhere Aufwendungen aus Zuweisungen und Zuschüssen. Sie gehen im Wesentlichen an Kirchengemeinden, Gemeindeverbände und Kirchengemeindeverbände, den Diözesan-Caritasverband sowie den Verband der Diözesen Deutschlands und nahmen 2020 um 8,3 Prozent auf 387,4 Mio. Euro zu. Ihr Anstieg resultiert insbesondere aus zwei Sonderzuschüssen im Bereich der territorialen Seelsorge, zum einen in Höhe von 22,3 Mio. Euro für Restrukturierungs- und (Teil-)Schließungsaufwendungen für die katholischen Friedhöfe in Wuppertal und zum anderen 3,5 Mio. Euro aus der Aufgabe der Trägerschaft einer Kirchengemeinde an einer Altenhilfeeinrichtung.

 

Gleichzeitig nahmen die Personalaufwendungen des Erzbistums für pastorale Dienste, Lehrkräfte und das sonstige Personal im Berichtszeitraum insgesamt um 1 Prozent auf 376,9 Mio. Euro zu. Hierin nicht enthalten sind Beschäftigungsverhältnisse unter anderem der Kirchengemeinden und Gemeindeverbände, die über Zuweisungen an den Anstellungsträger finanziert und in der Position der Aufwendungen aus Zuweisungen und Zuschüssen enthalten sind. Während die Aufwendungen für Löhne und Gehälter des Erzbistums im Berichtsjahr um insgesamt 2,3 Prozent stiegen, gingen die sozialen Abgaben und Aufwendungen für die Altersversorgung und für Unterstützung im Berichtsjahr gleichzeitig um 1,4 Prozent zurück. In den Personalaufwendungen enthalten sind Aufwendungen für die Altersversorgung inklusive aus Beihilfen in Höhe von 102 Mio. Euro und damit 1,9 Mio. Euro weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Beschäftigten lag zum Jahresende 2020 bei 4.498. Des Weiteren stiegen 2020 auch die Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens und Sachanlagen auf 32,7 Mio. Euro (2019: 29,2 Mio. Euro), insbesondere durch einen höheren Abschreibungsbedarf auf das Sachanlagevermögen.

An den Wertpapiermärkten konnten im Berichtsjahr Kursgewinne erzielt werden. Eine Ergebnisbelastung aus außerplanmäßigen Abschreibungen trat insoweit nicht ein, was insbesondere aufgrund der im Jahresverlauf 2020 zwischenzeitlich deutlichen Kursverluste erwähnenswert ist. Eine erhöhte Ausschüttung von ordentlichen Erträgen aus einem Spezialfonds führte zu der deutlichen Steigerung der Finanzerträge. Im Finanzergebnis wurden gleichzeitig Aufwendungen aus der Aufzinsung von Rückstellungen in Höhe von 20,6 Mio. Euro ausgewiesen. Das Finanzergebnis schloss insgesamt mit einem Überschuss von rund 30 Mio. Euro und lag damit 45,6 Prozent über dem Vorjahresniveau.

Das Erzbistum Köln weist 2020 einen Jahresfehlbetrag von 4,1 Mio. Euro aus und hat damit den im Wirtschaftsplan prognostizierten Jahresüberschuss in Höhe von 10 Mio. Euro nicht erreicht. Grund dafür war insbesondere das bei rückläufigen Erträgen stärker als geplant gestiegene Aufwandsniveau.

Die Ertragslage des Erzbistums Köln hängt maßgeblich von der Höhe und Entwicklung des Kirchensteueraufkommens ab, das vor allem stark von der konjunkturellen Entwicklung, insbesondere der Situation am Arbeitsmarkt, sowie der Mitgliederzahl im Erzbistum abhängt. Da die Katholikenzahl kontinuierlich zurückgeht, sind grundsätzlich sinkende Kirchensteuererträge zu erwarten. Gleichzeitig ist zukünftig aufgrund der Preisentwicklung mit höheren Bau- und Instandhaltungskosten sowie aufgrund tariflicher Erhöhungen mit steigenden Personalkosten zu rechnen. Neben den vorgenannten Aspekten sind weitere, ungewisse Entwicklungen wie die Auswirkungen der Corona-Pandemie in die vorausschauende Analyse der Aufwands- und Ertrags situation einzubeziehen. Das Erzbistum Köln betreibt daher unverändert eine vorsichtige Finanzpolitik. Gleichzeitig achtet es darauf, Handlungsfähigkeit bei kurzfristigen Entwicklungen und Herausforderungen zu gewährleisten.

Die Bilanzsumme des Erzbistums Köln erhöhte sich im Geschäftsjahr 2020 um 106,5 Mio. Euro auf 4.040,9 Mio. Euro. Dabei stieg das Sachanlagevermögen um 1,9 Prozent auf 728,5 Mio. Euro. Zugängen von 46,7 Mio. Euro standen Abschreibungen von rund 32,4 Mio. Euro gegenüber. Das Finanzanlagevermögen des Erzbistums wurde auch 2020 weiter gestärkt. Es stieg unter Berücksichtigung einer Zunahme von Wertpapieren und einer gleichzeitigen Verringerung sonstiger Ausleihungen um 3,4 Prozent und damit um 101,0 Mio. Euro und stellt damit analog zum Vorjahr mit einem Anteil von 77,1 Prozent den wesentlichen Vermögenswert der Bilanz dar. Von den Finanzanlagen dienen rund 1,3 Mrd. Euro als Deckungskapital für die Altersversorgungsverpflichtungen des Erzbistums.

 

Das Umlaufvermögen entfällt im Wesentlichen auf Guthaben bei Kreditinstituten und sichert die laufende Liquidität, unter anderem für die monatlichen Zuweisungen an die Kirchengemeinden und Verbände sowie die Gehaltszahlungen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es ging im Berichtsjahr von 191,5 Mio. Euro um 7 Mio. Euro auf rund 184,5 Mio. Euro zurück. Der Kassenbestand inklusive Guthaben bei Kreditinstituten lag zum 31. Dezember 2020 bei rund 143 Mio. Euro. Liquide Mittel standen im Wirtschaftsjahr 2020 durchgängig ausreichend zur Verfügung.

 

Auf der Passivseite der Bilanz blieb das Eigenkapital bei einem leichten Rückgang von 0,2 Prozent auf Vorjahresniveau. Die Zusammensetzung des Eigenkapitals hat sich nur geringfügig verändert. Die Bauerhaltungs- und Sonderrücklage für die langfristige Finanzierung der Gebäudeinstandhaltungen von Kirchen wurde um 1,4 Prozent auf 731,4 Mio. Euro. aufgestockt.

 

Gleichzeitig gingen die Rücklagen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen von 450,2 Mio. Euro um 3,4 Prozent auf 435,1 Mio. Euro zurück. Das Bistumskapital, das das Eigenkapital im engeren Sinne darstellt, und die Ausgleichsrücklage blieben unverändert.

 

Die Eigenkapitalquote des zusammengefassten Jahresabschlusses für das Erzbistum und den Erzbischöflichen Stuhl sank um 1,9 Prozentpunkte von 67,2 Prozent auf 65,3 Prozent. Ursache hierfür war insbesondere die deutliche Zunahme der Rückstellungen um rund 80,5 Mio. Euro.