Zwischen Wirkung und Wirklichkeit:Ärzteempfang 2026 – Die Abnehmspritze im Kontext von Medizin, Psychologie und Gesellschaft

Unter dem Titel „Zwischen Wirkung und Wirklichkeit: Die Abnehmspritze im Kontext von Medizin, Psychologie und Gesellschaft“ beleuchteten Prof. Dr. med. Stephan Martin, Chefarzt für Diabetologie und Direktor des Westdeutschen Diabetes- und Gesundheitszentrums in den Düsseldorfer Kliniken der Franziskus Stiftung, und Prof. Dr. Anja Hilbert, Professorin für Verhaltensmedizin an der Universitätsmedizin Leipzig, die medizinischen und psychologischen Aspekte der Medikamente zur Gewichtsreduktion und Behandlung von Diabetes.
Kardinal Woelki betonte in seinem Grußwort, dass es bei der Diskussion um die „Abnehmspritze“ nicht allein um ein Medikament gehe, sondern um den Menschen in seiner Ganzheit – mit seinem Körper, seiner Psyche, seinen Beziehungen, Hoffnungen und Ängsten.
Große Wirkung – aber keine einfache Lösung
Professor Martin verwies neben der Wirksamkeit der Medikamente auch auf ihre Grenzen. Auf der einen Seite könnten die Präparate übergewichtigen Menschen helfen. Durch den Gewichtsverlust sinke das Risiko für Herzinfarkte, Suizid, Leberschäden oder auch Knieprobleme. „Wir sehen auch Besserung beim Apnoe-Syndrom, die Menschen brauchen die zigfache Beatmung nicht mehr. Es gibt tolle Erfolge“, so Martin.
Ein Problem sei aber, dass eine kurzfristige Nutzung oft nicht ausreiche, während Langzeitnutzung noch nicht ausreichend erforscht sei: „Mit dem Präparat sehen wir eine Gewichtsreduktion. Setzt man die Medikation ab, geht das Gewicht sofort wieder nach oben. Es ist eine Daueraufgabe.“ Um nachhaltig Gewicht zu verlieren, forderte der Mediziner dazu auf, sich nicht nur auf das Präparat zu verlassen, sondern auch den eigenen Lebenswandel zu ändern.
Psychologische und gesellschaftliche Aspekte
Für Professorin Hilbert stellen gesellschaftliche Vorurteile und Stigmatisierung zwei psychologische Kernprobleme in Zusammenhang mit Übergewicht dar: „Menschen mit Übergewicht seien faul, undiszipliniert, willensschwach, genusssüchtig und so weiter“, erklärte Hilbert. Im Gegensatz dazu verfolge Die Gesellschaft ein starkes Schlankheitsideal.
Das löse etwas in übergewichtigen Menschen aus. „Das Körperbild ist negativer, vor allem Kinder haben mehr personelle Probleme“, so Hilbert. „Sie leiden unter Angst und Depressionen spielen eine große Rolle.“ Gerade bei weiblichen Betroffenen seien zudem Persönlichkeitsstörungen häufiger.
Aufgrund der vielfältigen Probleme bestehe dann die Gefahr, dass Abnehm-Präparate missbräuchlich genutzt würden, etwa in zu hohen Dosen. Das sei gerade bei unerforschter Langzeitnutzung problematisch. Ähnlich wie Martin plädierte Hilbert für eine vielseitige Therapie, die sich nicht nur auf Medikamente stütze.
Austausch beim Stehimbiss
Beim anschließenden offenen Austausch am Stehimbiss konnten die rund 120 Medizinerinnen und Mediziner die Impulse weiter vertiefen und miteinander ins Gespräch kommen. Der Ärzteempfang bot Raum für den Austausch zwischen Medizin und Kirche über eine aktuelle gesellschaftliche und medizinische Entwicklung und die Frage, wie moderne Medizin verantwortungsvoll dem Menschen dienen kann.
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