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Kardinal Woelki: Impuls der Woche

Welttag des Migranten und Flüchtlings

Am 27. September wird der Welttag des Migranten und Flüchtlings begangen, eingeführt 1914 von Papst Benedikt XV.. Schon damals war klar: Flucht und Migration sind keine Randthemen. Sie gehören zu den großen Wunden unserer Welt. Menschen auf der Flucht verlieren ihren geschützten Raum. Sie erfahren ein „Nicht-mehr-zuhause-Sein“. Wer flieht, lässt nicht nur ein Land zurück, sondern auch Beziehungen, Sicherheit, Sprache, Kultur – ein ganzes Leben.

Die Bibel ist voll von solchen Fluchtgeschichten. Adam und Eva werden aus dem Paradies vertrieben. Abraham bricht auf in ein unbekanntes Land. Das Volk Israel flieht aus der Sklaverei in Ägypten und wandert viele Jahre durch eine große Wüste. Maria und Josef müssen mit dem neugeborenen Jesus nach Ägypten fliehen, um der Gewalt des Herodes zu entkommen.

Und heute? Menschen fliehen vor Krieg, Hunger und Klimakatastrophen. Politik macht Migranten oft systematisch zu Objekten von Abschreckung und Ausgrenzung.

Gleichzeitig gibt es noch eine andere Dimension der Flucht: eine innere Flucht vor unseren Schwächen, vor Verletzungen, vor Schuld, vor der Wahrheit über uns selbst.

Der Welttag des Migranten und Flüchtlings lädt uns zu einem doppelten Hinschauen ein: nach außen und nach innen. Gott ruft uns, unsere Herzen nicht zu verschließen – weder vor den Menschen, die Schutz brauchen, noch vor den eigenen inneren Fluchtbewegungen.