Der Kreuzweg – im Gebet den Leidenweg Jesu mitgehen

Wie betet man einen Kreuzweg? Wir haben einige Vorlagen für Sie zusammengestellt! Außerdem erfahren Sie etwas zum Hintergrund des Krezweggebets.

11. Februar 2021

Eine Kreuzweg-Andacht betrachtet den Leidenweg Jesu von seiner Verurteilung durch Pontius Pilatus über den Tod am Kreuz bis hin zur Ruhe im Grab. In der Regel hat ein solcher Kreuzweg 14 Stationen. Man betet den Kreuzweg allein oder in einer Gruppe.

Einige Kreuzwegandachten beleuchten nur einige ausgewählte Stationen, um diese dadurch tiefer betrachten zu können.

In vielen katholischen Kirchen finden sich die Stationen des Kreuzwegs so, dass man sie bewusst ablaufen kann und vor jeder Station innhalten und beten kann.

Wann wird der Kreuzweg gebetet?

Man betet den Kreuzweg häufig in der Fastenzeit als Vorbereitung auf die Karwoche und das Osterfest.

Besonders am Vormittag des Karfreitags ist das Beten des Kreuzwegs liturgisch verankert, da dies der Zeit entspricht, als Jesus selbst diesen Weg gegangen ist. Jesus ist nach den drei synoptischen Evangelien (das sind die Evangelien nach Matthäus, Markus und Lukas) am Karfreitag um die sechste Stunde gekreuzigt worden. Das ist 12 Uhr. Anschließend berichten diese drei Evangelien von einer dreistündigen Finsternis, die über das Land hereinbrach (siehe. z.B.  Mt 27,45), bis Jesus zur 9. Stunde (also 15 Uhr) starb.

Kreuzweg beten

Vielerlei Textvorlagen stehen hierfür zur Verfügung, sie alle greifen die biblischen Berichte und die Tradition auf und lassen die Beter, mit dem was sie im Herzen bewegt, eintauchen in den Erlösungsweg, den Christus gegangen ist. Einige Vorschläge zum Beten des Kreuzwegs finden Sie am Ende dieses Artikels.

Dabei ist Liturgie, das Leben von Spiritualität, nie nur bloße Erinnerung, sondern immer auch ein „Sich-Hineinbegeben“ in eine Wirklichkeit, die über die Zeiten für alle gilt. Wer den Kreuzweg betet, geht mit Jesus den Leidensweg.

Die biblischen Berichte zum Kreuzweg

Alle vier Evangelien berichten vom Leiden und Sterben Jesu Christi. Sie finden die Textpassagen des Kreuzwegs, des Sterbens und der Grablegung an folgenden Stellen:

Matthäus-Evangelium Kapitel 27

Markus-Evangelium Kapitel 15

Lukas-Evangelium Kapitel 23

Johannes-Evangelium Kapitel 19

Letzte Kreuzwegstation: Grab oder Auferstehung?

Klassisch endet der Kreuzweg mit der Grablegung als 14. Station. Dies drückt die Realität des Todes Jesu aus und verlangt vom Betenden, diesen Tod auszuhalten. Eine Kreuzwegandacht endet in der Regel auch nicht mit einem Segen. Es bleibt also ein offenes Ende, das liturgisch anzeigt, dass mit der Grablege doch nicht alles vorbei ist.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde teilweise bei Kreuzwegen dieses offene Ende durch eine 15. Station mit dem leeren Grab als Verweis auf Ostern ergänzt.

Der Kreuzweg in Jerusalem

Den Weg, den Jesus mit dem Kreuz tatsächlich gegangen sein soll, kann man heute selbst nachgehen. Der Weg heißt „via dolorosa“ – wörtlich „der Weg der Schmerzen“.

Dieser Stationenweg entstand im 12./13. Jahrhundert. Dabei griff man auf alte Spuren zurück – von Pilgern, die sich schon im Altertum immer wieder auf den Weg machten, um betend und singend die Orte des Leidens und Sterbens Jesu nachzugehen. Dahinter stand das Bestreben, die Ereignisse um das Leiden und Sterben Christi möglichst plastisch vor Augen zu haben.

Kreuzweg in Corona-Zeiten

Pfarrer Michael Lehmler hat die folgende Kreuzwegandacht für die persönliche Betrachtung geschrieben. Darin greift Pfr. Lehmler die aktuelle Corona-Situation und das Leid unserer Zeit auf.

Kreuzweg als PDF-Download:

> Kreuzweg in der Corona-Situation (Einzelseiten, zum Beten am Smartphone)

> Kreuzweg in der Corona-Situation (Zum Ausdruck auf DIN A4 – je vier Stationen pro Blatt)

corona ist eine große last

ein unsichtbares virus

schon viele sind gestorben

es müssen schutzmaßnahmen ergriffen werden

die unser leben massiv einschränken

unzählige wissen nicht wie sie noch leben können

die älteren leiden noch mehr unter der einsamkeit

 

auch als kirche müssen wir gemeinschaft

neu bedenken und leben

doch du gott kennst unsere not

denn unser herr war auf seinem kreuzweg allein

herr hilf uns das kreuz zu tragen

und lass uns in der not nicht allein

Hält er sich still, wer spricht ihn schuldig? (Hi 34,29a)

 

tagtäglich verurteile ich

und werde verurteilt

im herzen und im kopf

 

der hass

und die gewalt

steigern sich maßlos

 

du teilst das nein

und die sünden

wandelst du ins ja

Und er selbst trug das Kreuz (Joh 19,17a)

 

corona trifft uns

und schränkt ein

viele sterben

 

sind wir solidarisch

tragen wir die lasten

nehmen wir rücksicht

 

die mühsal und

nöte trägst du

für uns

Er wurde bedrängt und misshandelt, aber er tat seinen Mund nicht auf (Jes 53,7a)

 

die ersten anzeichen

blieben unbemerkt

entleerte sinne

 

kopf herz und bauch

zusammenhanglos

taub und sinnlos

 

du fällst

um mich aufzurichten

weil ich am ende bin

Als Jesus die Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zur Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! (Joh 19,26)

 

geheimnisvoll der anfang

geheimnisvoll das ende

geborgenheit und freiheit

 

auf den dunklen wegen

in den tiefen abgründen

suche ich dich

 

du lässt dich berühren

und zärtlich behüten

anfang und ende im licht

Auf dem Weg trafen sie einen Mann aus Kyrene namens Simon; ihn zwangen sie, sein Kreuz zu tragen (Mt 27,32)

 

schwäche zeigen

hilfe annehmen

souverän bleiben

 

das geknickte

nicht brechen -

mittragen

 

gott geht mit -

hört und hilft

du bist treu

Mein Gesicht ist vom Weinen rot und Todesschatten liegt auf meinen Wimpern. (Hi 16,16)

 

wann zeige ich

mein wahres gesicht -

in der liebe oder im leid

 

mein herz quillt über

und macht ein tuch

für den zerschundenen

 

maskenlos drückt sich

das licht in unsere herzen

und ruft die güte hervor

Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott, vom Volk verachtet. (Ps 22,7)

 

das leid ist

unermesslich

zu jeder zeit

 

ist die nacht

grenzenlos

mächtig

 

du fällst tiefer und

entmachtest das böse

jetzt und immer

Jesus wandte sich zu ihnen um und sagte: Töchter Jerusalems, weint nicht über mich; weint vielmehr über euch und eure Kinder! (Lk 23,28)

 

in den tränen

der nächsten

ihre not sehen

 

in der trauer

offen bleiben

für das größere

 

du übersiehst

niemanden - alle

sind angenommen

Meine Kraft ist vertrocknet wie eine Scherbe, die Zunge klebt mir am Gaumen, du legst mich in den Staub des Todes. (Ps 22,16)

 

wie oft musst du

mir ins herz fallen

damit ich liebe

 

das leid ist leid

das böse ist böse

die hölle ist hölle

 

du transzendierst

unsere auslöschung

in unzerstörbares heil

Sie verteilen unter sich meine Kleider und werfen das Los um mein Gewand. (Ps 22,19)

 

wird mir auch noch

die würde genommen

ich zittere vor kälte

 

bloßgestellt

ausgelacht

pervertiert

 

der verrohung

gibst du die blöße

und die sanftmut

Es war die dritte Stunde, als sie ihn kreuzigten. (Mk 15,25)

 

erbittert

unnachgiebig

brutalst bestialisch

 

wie oft verletze ich

voller absicht und

hinterlasse wunden

 

die gewalt verliert sich

in die wehrlosigkeit -

es ist himmelszeit

Jesus aber schrie noch einmal mit lauter Stimme. Dann hauchte er den Geist aus. (Mt 27,50)

 

exitus

verlassenheit

finsternis

 

ich rede und

schweige und

mache tot

 

lichtend stürzt du

in unsere höllen

dies- und jenseits

Josef nahm den Leichnam und hüllte ihn in ein reines Leinentuch. (Mt 27,59)

 

ende

und

anfang

 

zwischenzeitlich

meine sehnsucht

nach dem ursprung

 

wieder im mutterschoß

getragen und geliebt

heimat und zukunft

Dann legte er ihn in ein neues Grab, das er für sich selbst in einen Felsen hatte hauen lassen. Er wälzte einen großen Stein vor den Eingang des Grabes und ging weg. (Mt 27,60)

 

hoffnungslos

und ohnmächtig

begrabe ich vieles

 

exodus

hinaus

begleiten

 

eingehüllt in licht

gebettet in rosen

ringsum ist leben

gott

auf unserem lebensweg sind wir nicht allein

jesus christus geht mit uns und hilft uns

corona und andere lasten zu tragen

er schickt uns helfende menschen

auf unseren weg und seine gemeinschaft

die kirche betet unablässig für alle

durch dieses gebet sind wir immer

getragen besonders in den zeiten

der verlassenheit

der kreuzweg jesu zeigt uns

dass sie alles zum guten wendet

durch gottes ewige liebe

Weitere Anregungen für Kreuzweg-Andachten