Feiertag Fronleichnam: Bedeutung des Festes und der Prozession

An Fronleichnam ziehen feierliche Prozessionen durch die Straßen. Dazu trägt der Priester eine Monstranz mit der gewandelten Hostie. In vielen Bundesländern ist der Tag ein Feiertag. Aber warum?

8. Juni 2020

Worum geht es an Fronleichnam? Der Gründonnerstag wird "nachgefeiert"

Am 2. Donnerstag nach Pfingsten feiert die katholische Kirche Fronleichnam. Das Wort "Fronleichnam" leitet sich vom mittelhochdeutschen "vrône lîcham" für "des Herren Leib" ab. Offiziell heißt der Festtag. In festlichen Prozessionen wird in einer Monstranz der Leib Christi durch die Straßen getragen. In diesem Jahr fällt Fronleichnam auf den 11. Juni 2020.

Aufgrund der Corona-Pandemie sind Fronleichnamsprozessionen in diesem Jahr nur unter besonderen Auflagen möglich. In vielen Gemeinden wird daher ausnahmsweise keine Prozession durchgeführt.

Fronleichnam steht in enger Verbindung zum Gründonnerstag. An Fronleichnam, liturgisch das "Hochfest des Leibes und Blutes Christi" genannt, feiert die katholische Kirche die Einsetzung der Eucharistie, also der Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Jesu.

Am Gründonnerstag setzt Jesus Christus die Eucharistie ein, wenn er seinen Leib und sein Blut als Brot und Wein zur Speise gibt. Diese Nähe Gottes im Sakrament der Eucharistie ist ein sehr großes Zeichen der Nähe Gottes. Das müsste man eigentlich festlich feiern. Die Stille der Karwoche passt aber nicht zu feierlichen Gottesdiensten und Prozessionen. Darum wird das Ereignis an Fronleichnam nachgefeiert.

Fronleichnam wird 1264 Fest für die gesamte Kirche

Fronleichnam geht auf eine Vision der heiligen Juliana von Lüttich im Jahr 1209 zurück. In ihrer Vision habe sie den Mond gesehen, der an einer Stelle verdunkelt war. Der Mond stehe für das Kirchenjahr, der dunkle Fleck für das Fehlen eines Festes des Altarsakraments. Papst Urban führte es 1264 als Fest für die gesamte Kirche ein. Bereits 1246 wurde Fronleichnam im Bistum Lüttich gefeiert. Die erste Prozession in Deutschland zog im Jahr 1279 durch Köln.

Prozessionen als Zeichen der Frömmigkeit

An Fronleichnam wird die gewandelte Hostie – der Leib Christi – in einer Monstranz durch die Straßen getragen. Der „Himmel“ genannte Stoffbaldachin schützt ihn. Auf dem Weg werden Statios an bis zu vier Außenaltären gehalten. Oft sind diese Außenaltäre mit Blumenteppichen geschmückt.

Bei jeder Statio wird ein Abschnitt aus dem Evangelium vorgetragen. Es werden Fürbitten gesprochen und der sakramentale Segen in alle Himmelsrichtungen und über die Stadt gespendet. Die Prozession schließt meist in der Pfarrkirche mit dem "Tantum ergo", einem Abschluss-Segen und dem "Großer Gott, wir loben dich".

Die Monstranz (lateinisch "monstrare"=zeigen) ist ein liturgisches Gerät mit einem Fenster in der Mitte. Die gewandelte Hostie wird hineingestellt und zur Verehrung und Anbetung gezeigt.

Bei Prozessionen und beim eucharistischen Segen hält der Priester die Monstranz nicht mit bloßen Händen. Ein Tuch, das sogenannte Velum, bedeckt seine Hände. Es ist eine Geste der Ehrfurcht und schützt außerdem die kostbaren Geräte.

Blumenteppiche an Fronleichnam

Die Tradition des Blumenteppichs nimmt den Bibelvers "Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!" (Mt 3,3) auf. Über den Blumenteppich schreitet der Priester während er die Monstranz trägt. Gott selbst ist in der gewandelten Hostie gegenwärtig. So bereiten die Blumen Gott selbst den Weg.

Wann genau die Tradtion der Blumenteppiche zu Fronleichnam entstand ist unklar. Katholisch.de erläutert: "Im Mittelalter wurden die Stationsaltäre von Kaufmannsgilden oder reichen Familien gestiftet – und mitunter prächtig verziert. Der Theologe Manfred Becker-Huberti vermutet, dass der Brauch, Blumen auf den Prozessionsweg zu streuen, im 15. Jahrhundert aus der Mittelmeerregion nach Deutschland importiert wurde. In der Zeit des Barock wurde das Arrangieren von Blüten zu Bildern dann insbesondere von den Orden gefördert. Nördlich der Alpen, wo aufgrund der kälteren Temperaturen deutlich weniger bunte Blumen wuchsen als im warmen Süden, war das Blumenteppichlegen ein Zeichen besonderer Verehrung für die Eucharistie."

Die Tradition, Blumenteppiche zu legen, war früher in Deutschland weit verbreitet. Heute pflegt man sie meist nur noch in einigen Gemeinden, hauptsächlich in Bayern oder im Schwarzwald. Das hat einerseits mit dem Rückgang der Volksfrömmigkeit zu tun, andererseits auch mit dem großen Aufwand, den die Blumenleger betreiben müssen. Die Prozession dauert etwa eine Stunde, danach hat die Blütenpracht ihren Zweck schon erfüllt.

Schiffsprozession "Mülheimer Gottestracht" in Köln (entfällt 2020)

*** Im Jahr 2020 entfällt die Mülheimer Gottestracht aufgrund der Corona-Pandemie > mehr ***

Mit der "Gottestracht" (von mittelhochdeutsch "trahte", Substantiv zu "tragen") erinnert der Kölner Stadtteil Mühlheim an seinen Ursprung als altes Rheinschiffer-Dörfchen. Dabei wird das Allerheiligste auf einem Prozessionsschiff rheinaufwärts Richtung Zoobrücke und den Rhein zurück nach Mühlheim gefahren. Viele Gläubige folgen der Monstranz auf ihren Schiffen, während ein Priester den Segen über Stadt und Fluss spendet. Die Katholische Pfarrgemeinde St. Clemens und Mauritius praktiziert sie seit nunmehr 400 Jahren.

Fronleichnamsprozession in der Kölner Innenstadt

Die wohl größte Fronleichnamsprozession im Erzbistum Köln startet normalerweise nach dem Pontifikalamt mit Kardinal Woelki auf dem Roncalliplatz. Der Gottesdienst beginnt um 10 Uhr, die Prozession setzt sich im Anschluss in Bewegung.

„Die besondere Situation in diesem Jahr erlaubt es leider nicht, dass sich Gläubige dieser Prozession anschließen oder entlang des Prozessionsweges versammeln können“, erläutert der Dom- und Stadtdechant Robert Kleine. „Neben dem Kardinal werden ihr Vertreter aus Kirche und Stadt angehören, die das Allerheiligste unter Einhaltung der Abstandregeln stellvertretend durch die Straßen der Stadt an ausgewählte Orte tragen werden. Ich danke für das Verständnis und freue mich mit allen Gläubigen auf eine hoffentlich wieder traditionelle Prozession im nächsten Jahr.“

Die Prozession endet gegen 12.30 Uhr mit einem öffentlichen Gottesdienst im Dom, für den wiederum Zugangskarten erforderlich sind.

*** Eine Teilnahme am Gottesdienst auf den Roncalliplatz ist in diesem Jahr nur mit einer (kostenlosen) Zugangskarte möglich. Die Tickets können ab Freitag, 5. Juni, 9 Uhr unter www.koelner-dom.de/zugangskarten gebucht werden ***

Datum von Fronleichnam

Fronleichnam wird immer 10 Tage nach dem Pfingstsonntag gefeiert, also 60 Tage nach Ostern. Dadurch fällt das Hochfest immer auf den zweiten Donnerstag nach Pfingsten. Frühestens fällt Fronleichnam damit auf den 21. Mai und spätestens auf den 24. Juni.

Fronleichnam fällt in den kommenden Jahren auf folgende Daten:

  • 11. Juni 2020
  • 3. Juni 2021
  • 16. Juni 2022
  • 8. Juni 2023
  • 30. Mai 2023
  • 19. Juni 2025

In Städten und Ländern, in denen Fronleichnam kein gesetzlicher Feiertag ist, wird das Hochfest nach Kirchenrecht auf den darauffolgenden Sonntag verlegt.

Fronleichnam als gesetzlicher Feiertag

In Deutschland ist Fronleichnam gesetzlicher Feiertag in den Bundesländern

  • Baden-Württemberg,
  • Bayern,
  • Hessen,
  • Nordrhein-Westfalen,
  • Rheinland-Pfalz und im
  • Saarland.
  • Zudem ist er in einigen Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung in den Ländern Sachsen und Thüringen Feiertag.

In Polen und Österreich sowie in Teilen der Schweiz ist Fronleichnam ebenfalls ein gesetzlicher Feiertag.

Kein gesetzlicher Feiertag ist Fronleichnam in diesen Nachbarländern Deutschlands: Dänemark, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und Tschechien. Auch in Italien ist Fronleichnam kein Feiertag.

Ausmalbild und weitere Angebote für Familien zu Fronleichnam