Feiertag Fronleichnam: Bedeutung des Festes und der Prozession

An Fronleichnam ziehen feierliche Prozessionen durch die Straßen. Dazu trägt der Priester eine Monstranz mit der gewandelten Hostie. In vielen Bundesländern ist der Tag ein Feiertag. Aber warum?

27. Mai 2022

Worum geht es an Fronleichnam? Der Gründonnerstag wird "nachgefeiert"

Am 2. Donnerstag nach Pfingsten feiert die katholische Kirche Fronleichnam. Das Wort "Fronleichnam" leitet sich vom mittelhochdeutschen "vrône lîcham" für "des Herren Leib" ab. Offiziell heißt der Festtag "Hochfest des Leibes und des Blutes Christi". In festlichen Prozessionen wird in einer Monstranz der Leib Christi durch die Straßen getragen. In diesem Jahr fällt Fronleichnam auf den 16. Juni 2022.

Fronleichnam steht in enger Verbindung zum Gründonnerstag. An Fronleichnam, liturgisch das "Hochfest des Leibes und Blutes Christi" genannt, feiert die katholische Kirche die Einsetzung der Eucharistie, also der Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Jesu.

Am Gründonnerstag setzt Jesus Christus die Eucharistie ein, wenn er seinen Leib und sein Blut als Brot und Wein zur Speise gibt. Dieses Zeichen im Sakrament der Eucharistie ist ein sehr großes Zeichen der Nähe Gottes. Das müsste man eigentlich festlich feiern. Die Stille der Karwoche passt aber nicht zu feierlichen Gottesdiensten und Prozessionen. Darum wird das Ereignis an Fronleichnam nachgefeiert.

Fronleichnam wird 1264 Fest für die gesamte Kirche

Fronleichnam geht auf eine Vision der heiligen Juliana von Lüttich im Jahr 1209 zurück. In ihrer Vision habe sie den Mond gesehen, der an einer Stelle verdunkelt war. Der Mond stehe für das Kirchenjahr, der dunkle Fleck für das Fehlen eines Festes des Altarsakraments. Papst Urban führte es 1264 als Fest für die gesamte Kirche ein. Bereits 1246 wurde Fronleichnam im Bistum Lüttich gefeiert. Die erste Prozession in Deutschland zog im Jahr 1279 durch Köln.

Prozessionen als Zeichen der Frömmigkeit

An Fronleichnam wird die gewandelte Hostie – der Leib Christi – in einer Monstranz durch die Straßen getragen. Der „Himmel“ genannte Stoffbaldachin schützt ihn. Auf dem Weg werden Statios an bis zu vier Außenaltären gehalten. Oft sind diese Außenaltäre mit Blumenteppichen geschmückt.

Bei jeder Statio wird ein Abschnitt aus dem Evangelium vorgetragen. Es werden Fürbitten gesprochen und der sakramentale Segen in alle Himmelsrichtungen und über die Stadt gespendet. Die Prozession schließt meist in der Pfarrkirche mit dem "Tantum ergo", einem Abschluss-Segen und dem "Großer Gott, wir loben dich".

Die Monstranz (lateinisch "monstrare"=zeigen) ist ein liturgisches Gerät mit einem Fenster in der Mitte. Die gewandelte Hostie wird hineingestellt und zur Verehrung und Anbetung gezeigt.

Bei Prozessionen und beim eucharistischen Segen hält der Priester die Monstranz nicht mit bloßen Händen. Ein Tuch, das sogenannte Velum, bedeckt seine Hände. Es ist eine Geste der Ehrfurcht und schützt außerdem die kostbaren Geräte.

Blumenteppiche an Fronleichnam

Die Tradition des Blumenteppichs nimmt den Bibelvers "Bereitet den Weg des Herrn! Macht gerade seine Straßen!" (Mt 3,3) auf. Über den Blumenteppich schreitet der Priester während er die Monstranz trägt. Gott selbst ist in der gewandelten Hostie gegenwärtig. So bereiten die Blumen Gott selbst den Weg.

Wann genau die Tradtion der Blumenteppiche zu Fronleichnam entstand ist unklar. Katholisch.de erläutert: "Im Mittelalter wurden die Stationsaltäre von Kaufmannsgilden oder reichen Familien gestiftet – und mitunter prächtig verziert. Der Theologe Manfred Becker-Huberti vermutet, dass der Brauch, Blumen auf den Prozessionsweg zu streuen, im 15. Jahrhundert aus der Mittelmeerregion nach Deutschland importiert wurde. In der Zeit des Barock wurde das Arrangieren von Blüten zu Bildern dann insbesondere von den Orden gefördert. Nördlich der Alpen, wo aufgrund der kälteren Temperaturen deutlich weniger bunte Blumen wuchsen als im warmen Süden, war das Blumenteppichlegen ein Zeichen besonderer Verehrung für die Eucharistie."

Die Tradition, Blumenteppiche zu legen, war früher in Deutschland weit verbreitet. Heute pflegt man sie meist nur noch in einigen Gemeinden, hauptsächlich in Bayern oder im Schwarzwald. Das hat einerseits mit dem Rückgang der Volksfrömmigkeit zu tun, andererseits auch mit dem großen Aufwand, den die Blumenleger betreiben müssen. Die Prozession dauert etwa eine Stunde, danach hat die Blütenpracht ihren Zweck schon erfüllt.

Große Fronleichnamsprozessionen in Köln, Bonn und Düsseldorf

Weg der Fronleichnamsprozession durch die Kölner Innenstadt:
Roncalliplatz, Am Hof, Bechergasse, Alter Markt, Unter Käster, Heumarkt, Gürzenichstraße, Schildergasse, Herzogstraße, Brückenstraße, Ludwigstraße, Kolpingplatz (Altar vor der Minoritenkirche), Drususgasse, An der Rechtschule, Wallrafplatz, Domkloster, Hoher Dom.

(Hinweis: Die abgebildete Strecke zeigt den Standardweg. Abweichungen sind möglich)

Weg der Fronleichnamsprozession durch die Kölner Innenstadt

Mit der "Gottestracht" (von mittelhochdeutsch "trahte", Substantiv zu "tragen") erinnert der Kölner Stadtteil Mühlheim an seinen Ursprung als altes Rheinschiffer-Dörfchen. Dabei wird das Allerheiligste auf einem Prozessionsschiff rheinaufwärts Richtung Zoobrücke und den Rhein zurück nach Mühlheim gefahren. Viele Gläubige folgen der Monstranz auf ihren Schiffen, während ein Priester den Segen über Stadt und Fluss spendet. Die Katholische Pfarrgemeinde St. Clemens und Mauritius praktiziert sie seit nunmehr 400 Jahren.

> Mehr zur Mülheimer Gottestracht

Infografik: Mülheimer Gottestracht mit Prozessionsweg

Das Stadtdekanat Bonn und die Münstergemeinde St. Martin laden um 10 Uhr zum internationalen Openair-Gottesdienst ein. Der Gottesdienst wird 2022 erstmals zusammen mit mehreren fremdsprachigen Gemeinden Bonns gefeiert. Parallel zum Wortgottesdienst auf dem Münsterplatz findet eine Kinderkatechese in der Basilika statt.

Die anschließende Prozession zieht vom Münsterplatz über die Vivatsgasse, Sterntor, Sternstraße, Marktplatz und über die Remigiusstraße zurück zum Münsterplatz. Dort endet der liturgische Festzug mit einem feierlichen Schlusssegen in der Münsterkirche.

Fronleichnam am Bonner Münster mit Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken als Hauptzelebranten (2022)

In Düsseldorf laden Stadtdechant Pfarrer Frank Heidkamp und der Katholikenrat zum Fronleichnamsfest ein. Die Festmesse wird um 11 Uhr auf dem Marktplatz in der Düsseldorfer Altstadt gefeiert. Anschließend zieht die Fronleichnamsprozession vom Marktplatz über Marktstraße, Berger Straße, Carlsplatz, Benrather Straße, Maxplatz, Orangeriestraße, Bäckerstraße, Rheinuferpromenade und Altestadt. Parallel zur Festmesse auf dem Marktplatz finden um 11:30 Uhr in St. Maximilian und zeitgleich im Klosterhof des Maxhauses Familienmessen statt – die Familien reihen sich danach in die Prozession ein.

Die Schlussfeier findet gegen 13 Uhr vor der Josephskapelle, Emilie-Schneider-Platz statt, in deren Rahmen auch der sakramentale Segen erteilt wird.

Fronleichnamsprozession in Düsseldorf (2019)

Datum von Fronleichnam

Fronleichnam wird immer 10 Tage nach dem Pfingstsonntag gefeiert, also 60 Tage nach Ostern. Dadurch fällt das Hochfest immer auf den zweiten Donnerstag nach Pfingsten. Frühestens fällt Fronleichnam damit auf den 21. Mai und spätestens auf den 24. Juni.

Fronleichnam fällt in den kommenden Jahren auf folgende Daten:

  • 16. Juni 2022
  • 8. Juni 2023
  • 30. Mai 2024
  • 19. Juni 2025
  • 4. Juni 2026
  • 27. Mai 2027

In Städten und Ländern, in denen Fronleichnam kein gesetzlicher Feiertag ist, wird das Hochfest nach Kirchenrecht auf den darauffolgenden Sonntag verlegt.

Fronleichnam als gesetzlicher Feiertag

In Deutschland ist Fronleichnam gesetzlicher Feiertag in den Bundesländern

  • Baden-Württemberg,
  • Bayern,
  • Hessen,
  • Nordrhein-Westfalen,
  • Rheinland-Pfalz und im
  • Saarland.
  • Zudem ist er in einigen Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung in den Ländern Sachsen und Thüringen Feiertag.

In Polen und Österreich sowie in Teilen der Schweiz ist Fronleichnam ebenfalls ein gesetzlicher Feiertag.

Kein gesetzlicher Feiertag ist Fronleichnam in diesen Nachbarländern Deutschlands: Dänemark, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Luxemburg und Tschechien. Auch in Italien ist Fronleichnam kein Feiertag.

Ausmalbild und weitere Angebote für Familien zu Fronleichnam