Stromspar-Check der Caritas: "Einfach mal abschalten"

Energie ist so teuer wie seit Jahrzehnten nicht. Energiesparen ist deshalb angesagt. Aber wie? Leistungsempfängern bietet die Caritas einen Stromspar-Check an.

17. November 2022

Boris Van­denberg und Jörg Meinke sind Strom­spar-Checker bei der Caritas im Kreis Mett­mann und kommen jeder Ener­gie­schleu­der auf die Spur: Kron­leuchter sor­gen nicht nur für Fest­beleuch­tung, wenn statt LED-Leuch­ten immer noch ein Dut­zend al­ter Hun­dert-Watt-Bir­nen brennt. Schlecht iso­lier­te Eis­truhen küh­len ohne Pau­se.

„Ein­mal waren wir in einem Haus­halt, in dem zu­erst nichts darauf hin­deu­tete, was die Rech­nung bei den Stadt­wer­ken so in die Höhe trei­ben konn­te“, sagt Van­denberg. Doch dann ent­deck­ten sie im Gar­ten den Grund: Vier klei­ne Tei­che mit je­weils eige­nen Pum­pen und Fil­ter­sys­temen ließen den Zäh­ler sich mun­ter weiter­drehen. Die Caritas-Be­rater fan­den schon die gie­rigs­ten Ge­räte, die sich als heim­liche Kosten­fallen ent­pupp­ten.

Das Ange­bot „Ein­fach mal ab­schal­ten“ rich­tet sich an Leis­tungs­bezieher und Men­schen mit gerin­gen Ein­kommen oder nie­driger Ren­te. Mit dem Be­ratungs­ange­bot will die Caritas sie für das Ener­gie­sparen ge­winnen und damit auch vor der Schul­den­falle schüt­zen. Denn der An­teil für Strom und elek­trische Warm­wasser­berei­tung reicht im Hartz-IV-Regel­satz schon lan­ge nicht mehr aus, wie die Ca­ritas bundes­weit fest­gestellt hat. Immer mehr Leis­tungs­bezieher fürch­ten sich vor hohen Nach­zahlun­gen und Ener­gie­sperren.

Analyse und Problemlösung

Bei einem ersten Beratungsgespräch machen sich die beiden Stromspar-Checker ein Bild: „Wir schalten alle Geräte aus, die wir gerade nicht brauchen, auch Stand-by-Modus“, sagen Mario Könen und Heike Schneider, bei denen die beiden Checker zu Besuch sind. Meinke und Vandenberg erkennen die Bemühungen zu sparen sofort. Aber sie wissen auch, mit welchen Soforthilfen sich der Energieverbrauch in der 60-Quadratmeter-Wohnung noch optimieren lässt.

Allerdings braucht es kleine Helfer in Form von LED-Leuchten, Wasserspar-Duschköpfen, Strahlreglern für den Wasserhahn, ausschaltbaren Steckdosenleisten oder Thermometern für den Kühlschrank. Die Verbrauchsmengen und Daten der Elektrogeräte geben Vandenberg und Meinke an die Energieagentur weiter. Dort sehen die Experten, wo noch Sparpotenzial besteht.

Bei einem zweiten Termin beraten die Checker zum Thema Lüften und Heizen und bauen Energie- und Wassersparhilfen ein. Manchmal hilft es auch, einfach abzuschalten, wenn ein Gerät gerade gar nicht gebraucht wird. „Ein Glas Senf stand bei einem unserer Kunden im Kühlschrank, sonst nichts“, sagt Meinke. „Zwei Jahre lang. Und er hat es nicht einmal angebrochen.“ Ihr Caritas-Büro arbeitet auch mit der Schuldnerberatung und der Wohnungshilfe zusammen.

Die beiden Checker kommen selbst aus der Arbeitslosigkeit. „Die Beratung ist also niederschwellig und auf Augenhöhe“, erläutert Thomas Rasch, Caritas-Bereichsleiter in Mettmann. Die Soforthilfen – kleine Dinge wie neue Duschköpfe oder Steckdosenleisten, die beim Sparen von Wasser und Strom unterstützen – gibt es im Wert von 47 Euro kostenlos. Bei Anschaffung eines wirtschaftlichen Kühlschranks gibt es zusätzlich 104 Euro von der Energieagentur und aus Bundesmitteln – für eine Familie kann der Zuschuss sogar bis zu 300 Euro betragen.

Infos in vielen Sprachen

Während die Heizkosten vom Jobcenter übernommen werden, wird der Strom umgelegt. Durch zu hohe Kosten können Leistungsbezieher in die Schuldenfalle geraten. Die Verbraucherberatung rät, einen Notgroschen anzulegen. Aber „Rücklagen zu bilden, das ist für einen Leistungsbezieher geradezu ausgeschlossen“, weiß Rasch. Er gehe von einer Welle aus, die schon bald bei der Schuldnerberatung und der Wohnungshilfe ankommen werde.

350 Haushalte im Jahr sollten im Kreis Mettmann beraten werden. Dann kam die Pandemie mit ihren Einschränkungen. Immerhin konnten 2020 noch 230 und im vergangenen Jahr 286 Erwerbsgemeinschaften erreicht werden. Die Infomaterialien gibt es auch auf Arabisch, Persisch, Russisch, Polnisch, Türkisch, Englisch oder Französisch.

Boris Vandenberg und Jörg Meinke besuchen derzeit viele Haushalte mit Bewohnern aus der Ukraine. Für Kinder haben die Checker als Geschenk eine Plastikbrotbox mit Buntstiften und kleinem Spielzeug. Für die Nacht gibt es eine Steckdosenleuchte. „Viele haben Angst im Dunkeln, weshalb die Eltern schon mal das Licht anlassen. Aber das verbraucht Strom“, sagt Vandenberg.

Neue Formen der Armut

Auch Könens und Schneiders Nachbarin Petra Niehaus, die während des Checks da war, rückt von ihrem Sparkurs etwas ab, wenn die Enkeltochter zu Besuch ist. Dann drehe sie die Heizung auf. Die immer neuen Nachrichten über steigende Heizkosten machen sie aber vorsichtig. „Es ist kalt, abends ziehe ich immer eine dicke Jacke an.“

Papst Franziskus spricht in seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ davon, dass neue Formen der Armut entstehen, während der Reichtum auf ungleiche Weise wächst. „Ja, das kann ich bestätigen“, sagt Vandenberg. Eine Seniorin habe eine so schmale Rente gehabt, dass sie sich aus Sperrmüllabfällen einen provisorischen Schrank gezimmert habe. „Wenn ich es schaffe, dass sie am Ende 30 Euro im Monat mehr hat, ist das schon ein gutes Gefühl“, sagt der Stromspar-Checker.

Fünf Energiespar-Tipps für Küche & Co. (Quelle: www.steckys-spartipps.de)

Trennen Sie Fernseher, Computer & Co. mit abschaltbaren Steckdosenleisten vom Stromnetz, wenn Sie sie nicht mehr nutzen. Ein Vier-Personen-Haushalt kann so 50–100 Euro pro Jahr einsparen.

Ob Rechner, Notebook, Fernseher oder Spielkonsole – die meisten elektronischen Geräte können so eingestellt werden, dass sie Energie einsparen. Nutzen Sie deshalb die voreingestellten Spar-/Eco-Optionen oder stellen Sie die Geräte so ein, dass sie nach möglichst kurzer Zeit der Nichtnutzung den Verbrauch reduzieren.

Wählen Sie bei Ihrem Kühlschrank eine möglichst geringe Kühlstufe. Empfehlenswert und in den meisten Fällen ausreichend ist beim Kühlschrank eine Innentemperatur von +7 °C, beim Gefrierschrank eine Temperatur von –18 °C.

Bei der Wassermenge, die zum Kochen von Gemüse, Kartoffeln oder Eiern eingesetzt wird, gilt der Grundsatz „Weniger ist mehr“. Für das Garen ist es vollkommen ausreichend, wenn der Boden des Kochtopfs gut mit Wasser bedeckt ist.

Im Vergleich zum Elektroherd sparen Wasserkocher beim Erhitzen von einem Liter Wasser etwa ein Drittel, bei einem halben Liter Wasser sogar fast die Hälfte an Energie. Deshalb erhitzen Sie zum Beispiel Ihr Teewasser am besten im Wasserkocher.

 

Stromspar-Check der Caritas

Stromspar-Check der Caritas