Leibliche und geistige Werke der Barmherzigkeit

Die Werke der Barmherzigkeit führen zur Mitte des Glaubens. Das Evangelium beantwortet die Frage, wie Menschen Christus nachfolgen können: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“

4. August 2022
"Barmherzigkeit verändert" auf dem Tor der Barmherzigkeit am Bonner Münster (Installation zum Heiligen Jahr 2016)

Die Werke der Barmherzigkeit führen zur Mitte des christ­lichen Glaubens. Barm­herziges Han­deln ist dabei aus zwei Per­spek­tiven zu ver­stehen: Wer sich ganz von Gottes ent­gegen­kommen­der Barm­herzig­keit ange­nomm­en weiß, der kann ebenso handeln. In der christ­lichen Tradi­tion werden leib­liche und geistige Werke der Barm­herzig­keit unter­schieden.

Das Evangelium antwortet ein­deutig auf die Frage, wie Men­schen Christus nach­folgen können: „Was ihr für einen meiner gering­sten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40). Damit ist Barm­herzig­keit die Be­dingung unseres Heils. Die Barm­herzig­keit ruht im Her­zen eines jeden Menschen und sie be­stimmt, wie wir auf­richtig für alle Anderen offen sind und auf sie zugehen.

Barm­herzig­keit nimmt den Mit­men­schen un­mittel­bar wahr und wendet sich ihm konkret zu – ganz gleich, ob Hilfe in physischer oder geistiger Notlage nötig ist.

Im "Heiligen Jahr der Barmherzigkeit" (2015/16) hat Papst Fran­ziskus die Werke der Barm­herzig­keit beson­ders in den Fokus gerückt.

Die sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit

Die Schriften des Evangeliums beschreiben an vielen Stellen, wie das Gebot der Barmherzigkeit konkret gelebt werden soll.

Am deutlichsten beschreibt das Matthäus-Evangelium (Mt 25,35 ff), was unter barmherzigen Wer­ken zu verstehen ist:

„Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen ge­geben. Ich war durstig und ihr habt mir zu trinken ge­geben. Ich war fremd und obdach­los, und ihr habt mich aufge­nommen. Ich bin nackt ge­wesen, und ihr habt mir Kleider ge­geben. Ich war krank, und ihr habt mich be­sucht. Ich war im Gefäng­nis, und ihr seid zu mir gekommen.“

Die leiblichen Werke sind:

  • Hungrige speisen
  • Durstigen zu trinken geben
  • Fremde beherbergen
  • Nackte kleiden
  • Kranke pflegen
  • Gefangene besuchen
  • Tote bestatten

Die sieben geistigen Werke der Barmherzigkeit

Die Barmherzigkeit wendet sich dem ganzen Men­schen zu, den leib­lichen und den seelischen Nöten. Die geistig­en Werke richten unsere Auf­merksam­keit auf die geistige und geist­liche Ar­mut, in der viele Men­schen unserer Zeit nach Zu­spruch, Nähe und Ver­ständ­nis suchen.

Die sieben geistigen Werke der Barm­herzig­keit sind:

  • Unwissende lehren
  • Zweifelnde beraten
  • Trauernde trösten
  • Sünder zurechtweisen
  • Beleidigern gern verzeihen
  • Lästige geduldig ertragen
  • Für Lebende und Verstorbene beten

Alle Werke der Barmherzig­keit haben gesell­schaft­liche, poli­tische und öffent­liche Dimen­sion­en, jedoch wird in den geistigen Wer­ken das darüber hinaus ge­hende seelische und geistige Heil ange­sproch­en, das oftmals nötiger als eine materielle Unter­stütz­ung ist. Eine rein materielle Barm­herzig­keit allein wird der mit­mensch­lichen Er­wartung nicht gerecht, ebenso wenig wie eine Gerech­tig­keit, die ohne Barm­herzig­keit auszu­kommen meint.

Die geistigen Werke ver­weisen auch auf die Heraus­for­derungen, denen sich ein „barm­herziges“ Leben aus­ge­setzt sieht. Die Mensch­lich­keit, die in den Werken der Barm­herzig­keit be­schrie­ben wird, geht über unsere mensch­lichen Kräfte hinaus. Ohne die Barm­herzig­keit Gottes gerät un­sere mensch­liche Barm­herzig­keit schnell an Grenzen.

In der Ankündigung des Heiligen Jahres der Barm­herzig­keit (2015/2016) schrieb Papst Fran­zis­kus deshalb: „Öffnen wir un­sere Her­zen für­ein­ander und für Gottes Barm­herzig­keit“. Weiter er wen­det sich an die Kirche selbst: „Öffnet die Türen. Lasst die Men­schen hinein, damit sie Gottes Liebe er­fahren können!“

Warum 7?

Die Zahl 7 jeweils für die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit hat sich im Leben der Kirche heraus­gebildet, als Aus­druck eines Lebens das der von Gott bereits ge­schenkten Barm­herzig­keit folgt und die empfangene Liebe an die Mit­menschen weitergibt.

In der Zahlensymbolik steht die Zahl 3 für das Göttliche (Dreifaltigkeit) und die Zahl 4 für das Mensch­liche (vier Himmels­richtungen, vier Jahres­zeiten, vier Ele­mente). Da 3+4 = 7 kommen hier Gött­liches und Mensch­liches zusammen. Damit gilt die 7 als Heilige Zahl der Be­gegnung Gottes. (In der Bibel z.B. die 7 Schöpfungs­tage, das Buch mit 7 Siegeln in der Offen­barung des Johannes)

Daneben gilt ebenso die Zahl 12 (= 3x4) als Heilige Zahl der Be­gegnung Gottes (in der Bibel z.B. 12 Stämme Israels, 12 Apostel, das himm­lische Jerusalem soll 12 Tore haben).

Was ist Barmherzigkeit?

Was ist Barmherzigkeit?

Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger". Die Zeichentrickserie erklärt auf einfache und humorvolle Art zentrale Begriffe aus Kirche und Christentum. In dieser Folge geht es um Barmerherzigkeit.

Bilddtafeln "Sieben Werke der Barmherzigkeit"

Bilddtafeln

Bildtafeln des Künstlers Dieter Hartmann schmücken den Chorraum der Sankt Lambertus Kirche in Mettmann. Sie stellen die "7 Werke der Barmherzigkeit" dar. Sankt Lambertus ist Teil des Zyklus "Lichte Stille", einer Kooperation katholischer und evangelischer Kirchenmusik, des Erzbistums Köln und den Bildungswerken des Erzbistums.

Impulse zu Werken der Barmherzigkeit

Die sieben leiblichen und die sieben geistlichen Werke der Barmherzigkeit hat Pfarerr Michael Lehmler "buchstabiert" – ein Impuls zur Auseinandersetzung.

Leibliche Werke

Hungrige speisen

s terne
p oesie
e ssen & trinken
i deen
s egen
e wigkeit &
n ähe teilen

Durstige tränken

t odbringende
r esignation
ä ndern und
n eue lebens-
k raft schenken
e benso die
n ächte erhellen

Obdachlose beherbergen

b edürftige
e insame
h ilflose
e hren und
r etten -
b ehutsam
e ntschrecken -
r at
g eben und
e mpfangen
n achhaltig

Nackte bekleiden

b ange und
e rniedrigte und
k riminelle
l ieben -
e r/sie
i st
d ein
e benbild
n ach wie vor

Gefangene (und Kranke) besuchen

b leiben auch in
e rdrückend
s chwerer zeit
u nd gemeinsan das
c haos
h eilen und
e inander
n icht verlieren

Kranke pflegen

p hysisch und psychisch
f üreinander da sein -
l iebevoll glück und leid
e rtragen und immer
g emeinsam und
e hrlich das
n otwendige tun

Tote begraben

b esonders den
e insamen
g ehören die
r osen - jetzt -
a uch im tod
b is wir von
e lend und
n ot erlöst sind

Geistliche Werke

Unwissende lehren

l egen wir uns auf die
e rde und hören dem
h immel zu - gott
r ichtet uns
e wigkeitswärts und
n ennt uns beim namen

Zweifelnde beraten

b eherzt zwischen den
e nden sein und hören
r ichtungen
a usloten und
t üren öffnen auf-
e inander warten und
n icht außer acht lassen

Trauernde trösten

t tänen laufen Ins
r abenschwarze - die
ö dnis hat
s ich breit gemacht - still
t rage ich mit -
e rhöre uns und schenke
n eue zuversicht

Sünder zurechtweisen

z wischen mir
u nd dir und gott
r agt trennendes -
e s bringt
c haos und un-
h eil und
t od -
w er zeigt mir
e inen weg zurück
i n die mitte - wer
s agt das wort und
e rhellt meine
n acht

Beleidigern gern verzeihen

v orrüber zieht die
e wigkeit und
r üttelt mich
z ur besinnung -
e rbarme dich
i ch habe böses getan -
h err ich dich bitte um
e ntschuldigung - der
n ächste sei mir wieder nahe

Lästige geduldig ertragen

e s
r eicht mir -
t rotzdem
r uhe bewahren und
a lles bedenken und in
g eduld aushalten -
e s ist liebe wenn du deinen
n ächsten begleitest

Für Lebende und Verstorbene beten

b itte gib uns ein stück
e wigkeit für den neuen
t ag und sei unser halt
e ntlang des weges und
n imm das dunkle von uns