Osterzeit: 50 Tage lang Ostern feiern

Die 7 Wochen zwischen Ostern und Pfingsten, sind die Freudenzeit über die Auferstehung Jesu Christ. In der Liturgie wird an jedem Sonntag der Osterzeit ein anderes Thema in den Mittelpunkt gestellt.

19. April 2022

Die 50-tägige Osterzeit, die 7 Wochen zwischen Ostersonntag und Pfingsten (von griech. Pentecoste = Fünfzigster Tag), ist die Freudenzeit über die Auferstehung Jesu Christi. Am 40. Tag der Osterzeit wird das Hochfest Christi Himmelfahrt gefeiert. Diese lange Festzeit unterstreicht die Bedeutung von Ostern als wichtigstes Fest im Kirchenjahr.

In der Liturgie erklingt in dieser Zeit der Jubelruf „ Halleluja“ besonders feierlich und häufig. Als sichtbares Zeichen der Osterzeit brennt die Osterkerze während allen Gottesdiensten im Altarraum. Die liturgische Farbe der ganzen Osterzeit ist weiß, nur an Pfingsten wird die liturgische Farbe Rot verwendet. An den Sonntagen kann im Eingangsteil der Heiligen Messe der Priester die Gemeinde anstelle des Bußakts mit Weihwasser besprengen (Asperges).

Die biblischen Lesungen in der katholischen Liturgie werden während der Osterzeit alle dem Neuen Testament entnommen. Neben den Berichten über die Begegnungen der Jünger mit dem Auferstandenen besonders Lesungen aus der Apostelgeschichte, der Offenbarung des Johannes und den Abschiedsreden aus dem Johannes-Evangelium.

Die Liturgie für die Sonntage der Osterzeit stellt an jedem Sonntag ein anderes Thema in den Mittelpunkt. Im Eingangsvers (lat. Introitus) der Liturgie – der heute nicht mehr in jeder Messfeier gesungen oder vorgelesen wird – wird dieses Thema deutlich.

Von diesem Eingangsvers her haben sich auch lateinische Namen für die Sonntage etabliert. In der katholischen Tradition sind diese Namen heute nicht mehr gebräuchlich, die evangelische Tradition kennt diese Namen weiterhin.

Die Sonntage der Osterzeit

Der Ostertag beginnt mit der Feier der Osternacht. Da Jesus am frühen Sonntagmorgen bereits auferstanden war, hat die Auferstehung selbst in der Nacht stattgefunden. Die Feier der Osternacht findet daher nach dem Sonnenuntergang des Samstags und vor dem Sonnenaufgang des Sonntags statt.

Die Lesungen der Osternacht und der Ostertage ordnen das Ostergeschehen in den großen Kontext der Geschichte Gottes mit den Menschen ein. Die Evangelien gehören zu den wichtigsten, schönsten und bekanntesten Texten des Neuen Testaments.

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Am Weißen Sonntag steht das neue Leben aus der Taufe im Mittelpunkt. Der Name des Weißen Sonntags erinnert genauso daran, wie der früher verwendete Name Quasimodogeniti. An diesem Tag begann der Eingangsvers der Messe mit den Worten "Quasi modo geniti infantes" ("Wie die neugeborenen Kindlein").

Woher Quasimodo seinen Namen hat

Im Roman "Der Glöckner von Notre-Dame" von Victor Hugo wird der bucklige Glöckner der Pariser Kathedrale als Kind am 2. Sonntag nach Ostern aufgefunden – und daher auf den Namen Quasimodo getauft.

Barmherzigkeitssonntag

Eng verbunden mit dem Thema der Taufe ist das Thema Barmherzigkeit. Seit dem Jahr 2000 wird der Weiße Sonntag auch als Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit gefeiert.

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Die 8 Tage vom Ostersonntag bis zum Weißen Sonntag werden als Osteroktav bezeichnet, die eine herausgehobene Stellung innerhalb der Osterzeit besitzt.

Das leitende Motiv dieses Sonntags ist das Jubeln und Jauchzen über Gott (lat. Jubilate Deo), dessen Liebe den sterblichen Menschen nicht im Grab enden lässt, sondern ihm die Ewigkeit eröffnet.

Wie an den beiden ersten Sonntagen der Osterzeit wird noch einmal ein Evangelium vorgetragen, das die Begegnung der Jünger mit dem Auferstandenen thematisiert.

Dieser Sonntag steht im Zeichen von Jesus als dem guten Hirten. In den Schrifttexten wird daher der Psalm 23 („Der Herr ist mein Hirte“) als Antwortpsalm vorgetragen. Das Evangelium (Joh 10,1-10) ist das Gleichnis vom wahren Hirten der Schafe.

Das Motiv dieses Sonntags ist die Barmherzigkeit Gottes (lat. Misericordia Domini), wenn die Menschen dem vorausgehenden Hirten Jesus zum wahren Leben folgen: Jesus Christus.

Vielerorts wird der 4. Ostersonntag aufgrund seiner thematischen Ausrichtung auch als Gebetstag um geistliche Berufe begangen. Die Bitte klingt wieder, der Herr möge Arbeiter in seine Weinberg senden, damit das Gottesvolk nicht ohne Hirten sei.

Der Psalmvers "Singt dem Herrn ein neues Lied" (lat. „Cantate Domino canticum novum“, Ps 98,1) steht über dem fünften Sonntag der Osterzeit, der deshalb auch "Kantate" genannt wird.

An den drei letzten Sonntagen vor Pfingsten bestimmt in allen drei Lesejahren nicht mehr die Auferstehung Jesu, sondern sein bevorstehender Abschied die Auswahl der Evangelien. Am 5. und 6. Sonntag der Osterzeit steht jeweils ein Evangelium aus den Abschiedsreden Jesu nach Johannes (Joh 13,31 – 16,33) im Mittelpunkt.

Die Lesungen dieses Sonntags wechseln sich je nach Lesejahr ab; im Jahr 2022 wird im Evangelium der Beginn der Abschiedreden Jesu (Joh 13,31-33a.34.35) gelesen. Im Zentrum steht dabei das Wort Jesu: "Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander!" (Joh 13,34a).

Der lateinische Name „Vocem iucunditatis“ bezieht sich auf den Eingangsvers aus dem Propheten Jesaja "Verkündet es jauchzend, damit man es hört!" (Jes 48,20). Daraus leitet sich das Thema der Verkündigung ab. Von Anfang an ist die Kirche Christi missionarische Kirche. Das gehört zu ihrem Wesen. Sie hat den Geist Christi empfangen, den Geist der Liebe und den Geist der Wahrheit. Sie muss das Empfangene weitergeben, das ist ihr Auftrag.

Da dieser Sonntag die sogenannten "Bitttage" eröffnet, wird er auch als "Bittsonntag" oder lat. "Rogate" bezeichnet. Die Bezeichnung Rogate von den Bittprozessionen für eine gute Ernte her, die an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt als Flurumgänge über die Felder in katholisch geprägten ländlichen Gebieten gebräuchlich sind.  > mehr zu den Bittprozessionen

Wiederum wechseln die Schrifttexte dieses Sonntags je nach Lesejahr; in allen drei Jahren entstammt das Evangelium den johanneischen Abschiedsreden. Der Abschnitt, der im Jahr 2022 gelesen wird (Joh 14,23-29), lädt die Hörer ein, als Zeichen der Liebe zu Jesus seine Gebote zu halten und dadurch zu Gott zu gelangen.

Der siebte Sonntag der österlichen Festzeit steht noch ganz im Licht der Himmelfahrt des auferstandenen Herrn. Mitten in der Pfingstnovene lenkt der Sonntag damit den Blick bereits auf das bevorstehende Fest und die damit verbundene Sendung des Heiligen Geistes.

Am Sonntag "Exaudi" (was sich vom Eröffnungsvers "Vernimm, o Herr, mein lautes Rufen", Ps 27,7, herleitet) wird ein Abschnitt aus dem hohepriesterlichen Gebet Jesu des Johannes-Evangeliums (Joh 17) gelesen. Die liturgischen Texte greifen die Scharnierstellung dieses Sonntags auf: Einerseits lenken sie den Blick auf den Abschied Jesu von seinen Jüngern bei der Himmelfahrt, andererseits bringen sie die Erwartung seines bleibenden Beistands bis zum Ende der Tage ins Wort. Leitend steht hierbei der Gedanke der Geistsendung im Zentrum, der die Gegenwart des auferstandenen Herrn in der Gemeinschaft der Gläubigen präsent hält.

Fünfzig Tage nach dem Ostersonntag begeht die Kirche das Hohe Pfingstfest, das an die Geistsendung am jüdischen Erntefest Shavuot erinnert. "Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis" (Weish 1,7) lautet der Leitgedanke dieses Sonntags, der prägnant im Eröffnungsvers zusammengefasst wird.

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